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A FILETTA :
Diskographie

Die vollständige Diskographie, vom Neuesten zum Ältesten.


Letzte Aktualisierung der Seite : 17. Dezember, 2017

Anmerkung: die Filmmusiken von Bruno Coulais in Zusammenarbeit mit A Filetta sind hier.
Die Videos siehe unten auf der Seite.


2017 : Danse mémoire, danse
2015 : Castelli
2013 : Puz/zle
2012 : Pè a scusa
2011 : Di Corsica riposu - Requiem pour deux regards
2011 : Mistico mediterraneo
2009 : Trent'anni pocu, trent'anni assai (DVD),
2008 : Bracana
2006 : Medea
2005 : Liberata
2003 : Si di mè
2002 : A Filetta, voix corses (DVD)
2002 : Intantu
2001 : Le Peuple migrateur (B.O.)
2000 : Le Libertin (B.O.)
2000 : Comme un aimant (B.O.)
1999 : Himalaya : L'Enfance d'un chef (B.O.)
1998 : Don Juan (B.O.)
1997 : Passione
1995 : A Filetta en concert (VHS)
1994 : Una tarra ci hè
1992 : Ab'eternu
1989 : A u visu di tanti
1987 : Sonnii Zitillini
1987 : In l'abbriu di e stagioni
1984 : Cun tè
1982 : O'Vita
1981 : Machja n’avemu un altra

NEU !

Danse mémoire, danse (2017)

danse

Produziert von DEDA/A Filetta, Tuk Music/Paolo Fresu und Daniele Di Bonaventura.
Erscheinen als Vorpremiere auf Korsika: Anfang Juli 2017 
Erscheinen national und international: voraussichtlich im Herbst 2018

Welche Gemeinsamkeit könnte bestehen zwischen Aimé Césaire, großer Dichter und Dramatiker aus Martinique, der im Pantheon in Paris als prägende Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts gewürdigt wurde, prominenter Politiker (Bürgermeister von Fort-de-France und Abgeordneter für Martinique), gebildet an den großen Schulen der Republik und Jean Nicoli, bescheidener Lehrer, der in Obersenegal (heute Mali) in den späten 20er Jahren lehrte, bevor er nach Korsika zurückkehrte, um dort einer der Führer des Widerstands während des zweiten Weltkrieges zu werden?
Diese beiden glänzenden mit Humanismus durchdrungenen Denker sich näher zu bringen entsteht aus dem Wunsch heraus, immer wieder daran zu erinnern, dass hinter der Größe dieser Männer, die wir gern für ihr Engagement und ihr Opfer feiern möchten, eine Idee steht, für und durch die sie leben und sterben: die einer gerechteren und freieren Welt, die respektvoller gegenüber Unterschieden, ökologischer und solidarischer ist.
Wir haben korsische Autoren von heute gebeten, durch ihre Feder das Zusammenfließen der Gedanken dieser Begründer Nicoli und Césaire auszudrücken, um uns ihren Weg ideologisch, philosophisch, aber auch poetisch zu beleuchten.

Korsische und italienische Polyphoniker und Jazzer, alles verwurzelte Musiker, Stimmen, Trompete und Bandoneon, wollen die Ideale, aber auch die Träume dieser „Fürsten der Wolken“ hervorheben, indem sie eine gemischte Musik anbieten, die nicht genau diejenige der Person ist, sondern die von allen ist.



Erste Kommentare von L'Invitu:


Wir hatten das Glück, mehrmals dieses neue Repertoire im Konzert zu hören (2014 in Köln und bei den Rencontres in Calvi, dann 2016 in Le Mans und in Rouen) und waren sehr ungeduldig, eine Aufnahme davon zu haben. Diese gab es zuerst für diejenigen, die auf Korsika sind (oder Freunde dort haben), der Rest der Welt wird sich noch bis 2018 gedulden müssen, wenn meine Informationen richtig sind.
Zunächst eine kleine Erinnerung: im Oktober 2006 feierte „L‘aghja“, ein kleines Theater in Ajaccio, 20jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass entschloss sich dessen Direktor Francis Aiqui, Regisseur und Jazz-Begeisterter, Jazzmusiker und korsische Polyphonie-Sänger zu vereinen: es ist das Treffen zwischen A Filetta einerseits und Paolo Fresu, André Jaume, Daniele di Bonaventura und Philippe Biondi andererseits; eine wahre Liebe auf den ersten Blick, die zur Entstehung des Projekts „Mistico mediterraneo“ führte. Nach diesem Erfolg und Dutzenden von Konzerten entscheiden alle, einen gemeinsamen Weg zu verfolgen. Diesmal handelt es sich um eine musikalische und stimmliche Arbeit mit dem Titel „Danse Mémoire, Danse.“ Ich möchte noch hinzufügen, dass Paolo und Daniele seitdem ihre Zusammenarbeit fortgesetzt und als Duo „In maggiore“ aufgezeichnet haben.
Die neue CD, der als Motto diese Worte Primo Levis vorangestellt sind: "Se comprendere è impossibile, conoscere è necessario" (Wenn verstehen unmöglich ist, ist Wissen notwendig), ist ein sehr wichtiger Meilenstein im 39jährigen Bestehen der Gruppe.
Vor allem musikalisch haben wir hier mehr als ein Zusammentreffen, sondern endlich die wirklich gemeinsame Kreation, die wir uns nach  Mistico mediterraneo wünschten. Man kann sagen, daß bei Künstlern vom Kaliber eines Paolo Fresu und Daniele di Bonaventura es irgendwie genügte, auf den richtigen Moment zu warten... Die Kompositionen stammen von Paolo Fresu, Daniele di Bonaventura, Jean-Michel Giannelli und Jean-Claude Acquaviva zu den zuvor bearbeiteten Texten von Marcellu Acquaviva, Jean-Yves Acquaviva, Ghjuvanteramu Rocchi und Jean-Claude.
Gerade die Texte waren vielleicht nie wichtiger. Wir haben hier eine politische CD im edlen Sinne des Wortes. Während der Präsentation der CD sagte Jean-Claude: „Mein Traum ist es, dass die Leute dieses Album kaufen, um die Texte zu lesen.“ Die dreizehn Texte, die durch das Leben von Jean Nicoli und Aimé Césaire an die menschlichen und fortschrittlichen Werte erinnern, mit denen die Gruppe tief verbunden ist, sind großartig.

1 - I vostri sguardi (Marcellu Acquaviva/Paolo Fresu)  
Gleich durch dieses erste Stück wird der Zuhörer vom Boden abgehoben! Ein Brummen des Bandoneons führt die Stimmen hinein, die „die durchdringende Blicke“ dieser beiden Persönlichkeiten exponieren; in der dritten Strophe ändert sich die Atmosphäre durch das „schwebende“ Einsetzen von Paolo, dann verlässt man den Boden auf einer sanften Synkope der Stimmen und Trompete, der Rhythmus beschleunigt sich, um zum ursprünglichen Thema zurückzukehren."Isulani, u mare ùn v'hà pussutu tene/In le rete di quelli ch'ùn sanu vede l'altru (Insulaner, das Meer konnte euch nicht in seine Netze einschließen, die die Menschen trennen)"... Diese Verszeile könnte gleichermaßen dem Album als Motto vorangestellt werden.

2 - Quellu chì (Marcellu Acquaviva / Jean-Michel Giannelli)
„Wer einen Traum hatte,“ Musik von Jean-Michel Giannelli zu einem Text von Marcellu Acquaviva , mit schönen Instrumentalpassagen von Paolo und Daniele nach der zweiten Strophe und am Ende des Stückes.

3 - Sciume (Jean-Claude Acquaviva / Jean-Michel Giannelli)
Elektronische Effekte Paolos, bald vereint mit den Stimmen zur Einführung in Sciume (Ecumes), erinnern an das Wasser, das Meer, die Inseln, den Zweifel, das Exil ...

4 - U viandante
(Marcellu Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva)
Ein sehr rhythmisches Stück über „den umherirrenden Menschen“, das es zwei Instrumentalisten ermöglicht, sich am Ende zu entfesseln. Nie hat die korsische Polyphonie derart geswingt!

5 - Da a pieve di Carbini
(Marcellu Acquaviva / Daniele di Bonaventura)
Ein schöner, sehr gut von Jean-Claude vorgetragener Text, der sich von Carbini (dem Geburtsort Jean Nicolis) bis zu den Schwarzamerikanern auf die Sklaverei bezieht und das Massaker an denen, die „nein“ zu sagen wussten. Am Ende die Hoffnung ...

6 - In sempiterna
(Jean-Yves Acquaviva / Jean-Yves Acquaviva)
Jean Nicoli, der am 30. August 1943 von den faschistischen Besatzern hingerichtet wurde, hinterließ seinen Kindern diese wenigen bewundernswerte Worte:
„An meine Kinder, gleich werde ich gehen. Wenn ihr wüsstest, wie ruhig, fast glücklich ich bin, für Korsika zu sterben und für die Partei. Weint nicht, lächelt mir zu. Seid stolz auf euren Vater. Er weiß, dass ihr es sein könnt, der Maurenkopf  und die rote Blume, das ist die einzige Trauer, um die ich euch bitte. An der Schwelle des Grabes sage ich euch, dass die einzige Idee, die auf unserer armen Erde, mir schön zu sein scheint, die Idee des Kommunismus ist. Ich sterbe für unser Korsika und für meine Partei "
Jean-Yves Acquaviva wusste, die Paraphrase zu vermeiden, indem er ein Gedicht schuf, das den Geist von Nicolis Brief aufnimmt. Paolo und Daniele formen bei diesem ergreifenden Stück eine Schatulle für den Gesang von Francois und der anderen Sänger.

7 - A mio pena s'hè mondu
(Jean-Claude Acquaviva / Daniele di Bonaventura)
Eine Komposition von Daniele am Klavier (sein Kyrie eleison), ein andächtiges Stück. Daniele zugleich am Bandoneon und Paolo fliegt davon...

8 - Human
(Paolo Fresu)
Der einzige Instrumentaltitel der CD, ein Duo Trompete/Bandoneon komponiert von Paolo.

9 - Vintera
(Jean-Yves Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva )
Die Sonne nach dem Sturm, ein schönes Stück über die Hoffnung, quasi ein Walzerrhythmus, aufgenommen durch Danieles Bandoneon.

10 - Africa
(Jean-Yves Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva)
Stéphane führt ein in dieses schöne Lied über Afrika, „die Wiege der Menschheit.“

11 - Fiori d'Algeria (Ghjuvanteramu Rocchi / Paolo Fresu)
Bezogen auf Jean Nicoli, gibt Ghjuvanteramu Rocchi, der selbst Lehrer in Algerien war, mit außergewöhnlicher Menschlichkeit eine Vorstellung von dessen dort verbrachten Jahren und einer Zukunft, wo „die Kinder mit denen aus Algerien die Freundschaft und die Freude und den Gesang" feiern werden.

12 - Un'antra isula
(Jean-Yves Acquaviva / Daniele di Bonaventura)
Ein sehr dynamisches Stück über zwei Inseln, die eine paradiesisch und die andere beherrscht von Ungerechtigkeit und Rassismus. Daniele majestätisch am Bandoneon, schöner Austausch mit Paolo.

13 - Alba impedita
(Jean-Claude Acquaviva / Daniele di Bonaventura)
Ein Thema, das mit extremer Feinheit von Bügelhorn und Bandoneon eingeführt und dann von den Stimmen, die ineinander greifen, aufgenommen wird. Welche Schönheit!

14 - La costruzione delle cose
(Jean-Claude Acquaviva / Paolo Fresu)
Ein erstaunliches Stück, das Thema fast impulsiv kontrastiert zu dem Text „und wenn man bedenkt, dass hier vor nicht langer Zeit ein Krieg getobt hat“.
Und mit den Worten: „Und wenn man bedenkt, dass, wenn wir Gerechte (unter den Völkern) wären / Es das Grauen nicht gegeben hätte“ endet diese herrliche CD.

Diese ersten Eindrücke nach dreimaligem Hören können das Thema nicht erschöpfen, da es noch so Vieles zu dieser außergewöhnlichen CD zu sagen gäbe. Man muss noch einmal die Schönheit der Texte betonen (besonders der von Marcellu Acquaviva) und den Reichtum der Arrangements, vor allem die immense musikalische Intelligenz von Paolo und Daniele.

Castelli

castelli

Erscheinungsdatum 25. August 2015 (World Village WVF 479097).

„Schlösser“ – Gebäude der Vergangenheit, geschichtsträchtige Orte, aber auch Schlösser in Spanien, Sandburgen, Kartenhäuser...Unbeständigkeit.
Diese neue CD lässt viele Fragen anklingen zu Träumen, Sehnsüchten, Illusionen, Utopien, den Sinn des Lebens: was bleibt von allem, was ihr mir gesagt habt? Was bleibt von allem, was wir aufgebaut haben oder vielleicht besser, was wir dachten, aufgebaut zu haben? Gibt es noch Zwischenräume zu entdecken, Räume sich vorzustellen, andere Bauwerke zu entwerfen? Ohne Zweifel, vor allem aber bleibt das, ganz einfach, was wir sind... Borges hat sehr schön geschrieben: "Grundsätzlich bin ich alles, was ich verloren habe"!

A Filetta setzen ihren Weg fort und gestalten fortwährend ihr Werk durch bereichernde künstlerische Begegnungen, die diese neuen Titel geprägt haben.

"Castelli" vereint Auszüge aus verschiedenen Kreationen seit 2008. In der Abfolge religiöser und profaner für Theater, Tanz und Film geschriebener Stücke, begegnet man auch Shakespeare und Fernando Pessoa sowie Anonymen, die alle von der gleichen humanistischen Vision animiert sind.

"Teaser" des Albums :

Kommentar von L‘Invitu: :

Castelli ist die erste Platte A Filettas in ihrer neuen Formation, aufgenommen im Juni 2015 im Carubbu. Nach einem Jahr in der Gruppe zeigt sich, dass François und Stéphane perfekt integriert sind und es ihnen nicht nur gelungen ist, sich das umfangreiche Repertoire anzueignen, sondern auch es mit Gefühl und Talent zu singen. Stéphane hat eine sehr reine Stimme, François eine umfangreiche Tessitur und bemerkenswerte Stimmgewalt. Was die "Alten" betrifft, so sind sie wie ein guter Wein. Noch nie war Pauls Stimme so schön und kraftvoll, der Bass von Maxime so tief, die Stimme von Jean so sicher, die von Jean-Claude so agil. Nicht zu sprechen von seinen immensen Qualitäten als Komponist!
Die Plattenhülle - eine Pyramide von sechs Männern auf stürmischer See – verursacht sicher Diskussionen. Aber kommen wir zum Gesang:

1 - Infine (Jean-Claude Acquaviva)
Eines von vier für den Fernsehfilm Disparus komponierten Stücken. Schöne und originelle Variationen von "M‘aviate dettu", der Text von Jean-Claude. Die sechs Stimmen vermischen sich, antworten sich... Man denkt manchmal an „Collagen“, wo Bruno Coulais die Stimme von Robert Wyatt benutzt. Erstaunlich und meisterhaft!

2 - Letterella (Jean-Claude Acquaviva)
Dieses Stück voller Freude - "Es ist in dir, was meinen Weg singt" - komponiert für Puz/zle von Sidi Larbi Cherkaoui, ist jetzt Teil des Repertoires von A Filetta.

3 - Notte tana (Petru Santucci/Jean-Claude Acquaviva)
Eine weitere Kreation für Puz/zle zu einem Text von Petru Santucci. Eine wunderschöne Nacht, sehr sanft!

4 - Ave maris stella (liturgischer Text/Jean-Claude Acquaviva)
Eine Kreation für Songs of Lear von Shakespeare, inszeniert von der polnischen Truppe Teatr Pieśń Kozla (war in Pigna als Teil der Rencontres von Calvi 2009 zu hören). Die Notenschrift dieser der Jungfrau gewidmeten Hymne kann ziemlich überraschend wirken. Wiederholt hören!

5 - In ogni addiu (Jean-Claude Acquaviva)
Eine andere Komposition für Disparus, sehr schön, gleichzeitig lyrisch und konzentriert. Meiner Meinung nach einer der Höhepunkte dieser Platte.

6 - Guardiabanda (Fernando Pessoa/Jean-Claude Acquaviva)
Komposition für Pessoassion, präsentiert in Lörrach 2008, und seitdem nicht wieder gehört. Also eine Wiederentdeckung! Es beginnt wie ein traditionelles Lied, dann wird die Notenschrift komplexer, bringt den Wert aller Stimmen zur Geltung.

7 - Gradualia 29/12 (liturgischer Text/Jean-Claude Acquaviva)
Ein Auszug aus der Messe des 29. Dezember zum Gedenken an den Flugzeugabsturz 1962 auf dem Monte Renosu. Dieses Gradualia, das mit einem schönen Summton beginnt, ist zu den Worten des Antiphon "Ecce sacerdos magnus" komponiert, das an St. Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury, erinnert.

8 - Dormi (François Vincenti/Dominique Vincenti)
Ein hübsches Wiegenlied von den Brüdern Vincenti.

9 - Ùn nu a sò (Fernando Pessoai/Jean-Claude Acquaviva)
Ein weiteres für Pessoassion komponiertes Stück, seit langem im Repertoire der Gruppe. Und das spürt man: obwohl es eine sehr komplexe Notenschrift ist, erscheint sie evident!

10 - In bocca à Diu (Jean-Claude Acquaviva)
Dritte - sehr kurze - Kreation für Disparus.

11 - 29/12 Introit (liturgischer Text /Jean-Claude Acquaviva)
Ein weiterer Auszug aus der Messe des 29. Dezember. Dieser erzählt von der Redefreiheit St. Thomas Beckets gegenüber Heinrich II.

12 - Maroccu Biancu (Jean-Claude Acquaviva)
Komposition für Puz/zle. In der Regel gesungen mit Fadia Tomb El-Hage; hier ist es Paul, der die Hauptstimme singt.

13 – Si spera (Jean-Claude Acquaviva)
Vierter und letzter Auszug - auch sehr kurz – aus der Musik von Disparus. Alle diese vier Stücke sind von Jean-Claude zu dem Text "M‘aviate dettu" komponiert.

14 - Tbiliso (Petre Gruzinski, Jean-Claude Acquaviva / Revaz Laghidze)
Mitreißende Hommage an Georgien und seine Hauptstadt Tiflis.

Oft komplexe Kompositionen präsentiert in perfekter Ausführung. Als Fazit kann man sagen, ein neues Meisterwerk im Wirken A Filettas.
Ein Tipp: ein gewisser Schallpegel ist erforderlich, um vollständig die Zusammensetzung der Stimmen schätzen zu können. Aber dies kann eine Folge der Last der Jahre des Schreibers dieser Chronik sein!

Puz/zle

puzzle

Unerwartet (aber wer wird sich darüber beschweren?) war das Erscheinen der Musik zum Tanztheater "Puz/zle", herausgegeben von Eastman.

Diese Doppel-CD ist eine Tonaufnahme der Aufführung von Sidi Larbi Cherkaoui in Antwerpen mit zusätzlichen Aufnahmen einer Aufführung in Utrecht. Man findet darauf den Gesang von A Filetta und Fadia Tomb El-Hage, Flöte und Taiko-Trommeln von Kazunari Abe und die elektronische Musik von Olga Wojciechowska.

CD1
1-Lost Reflection
2- Partenza Astuta

3- Prayer Song

4-Breathing with Colors

5- Relation
6-Erasing Memories
7-Notte Tana
8- Inna Moussa
9-Inside the Holy Whale
10-Treblinka
11-The Echo of Dragon Singing
12-Melting into Unknown

CD2
1- Yawno Tito
2-Amano Morio
3-Le Lac
4-Inn al Baraya
5-Ororo Pinne
6-Tookami
7-Maroccu Biancu
8-Lacrymosa
9-Letterella
10-Media
11-U Sipolcru
12-Collected Grief
13-L'anniversariu di Minetta
14 O Successores

Der Kommentar von L'Invitu:

Ein elektronisches Dröhnen eröffnet die erste CD (und die Aufführung) : Lost Reflection, komponiert von Olga Wojciechowska. Es erinnert einen Moment an So sprach Zarathoustra von Strauss, wahrscheinlich die "Reflektion" des Titels. "Mente spremuta" sind die ersten Worte von Partenza Astuta, gesungen von A Filetta und Fadia Tomb El-Hage. Ein gleichermaßen erstaunliches und einleuchtendes Zusammentreffen. Dann eine lange Einführung der Flöte und ein fast „unbewegtes“ Stück: Prayer Song. Breathing with Colors erzeugt ein luftiges Klima; wunderschön. Relation ist noch ein Flötenstück. Es folgt Erasing Memories, ein sehr gelungenes Stück von Olga Wojciechowska. Die Stimme Jean-Lucs führt ein in Notte Tana, eine schöne Komposition von Jean-Claude auf einen Text von Petru Santucci, mit Fadia und der ganzen Gruppe. Die byzantinische Hymne an Moses Inna Moussa wird gesungen von Fadia, begleitet vom Summen A Filettas. Großartig! Klänge aus der Aufführung (einstürzende Mauern, rollende Steine) leiten Inside the Holy Whale ein, einer der sehr schönen Momente der Aufführung, bei dem die Tänzer auf der Stelle springen. Wir hören hier eine unveröffentlichte - und sehr gelungene – Version von Treblinka, bei der sich Fadia mit den Sängern von A Filetta vereint. The Echo of Dragon Singing wird von Kazunari Abe mit der Flöte gespielt, dann endet die erste CD mit dem schönen Melting into Unknown, komponiert von Olga Wojciechowska.

Ein Trommelwirbel eröffnet Yawno Tito, gesungen von Fadia mit einem Summen A Filettas, dann ändert sich das Klima radikal mit Amano Morio, einem alten syrischen Lied, skandiert von der Trommel und den Stimmen A Filettas. Man begegnet wieder Le Lac von Bruno Coulais in einer ungewohnten Version, bei der man außer Fadia noch die Flöte von Kazunari hört, die auch in Inn al Baraya einführt, ein traditionelles von Fadia gesungenes Lied begleitet von A Filetta. Magisch! Radikaler Klimawechsel mit dem japanischen Lied Ororo Pinne (gesungen in der Sprache Ainu), dann eine Komposition von Kazunari Abe, Tookami. Ein sehr sanftes Lied, gefolgt von dem Perkussion-Stück Maroccu Biancu, auf das das wunderbare Lacrymosa aus dem Requiem folgt. Das sehr rhythmische Letterella, mit Fadia und Perkussions, schließt sich an diese beiden meditativen Stücke an. Media ist eine Art Zwischenspiel mit fernen Radiostimmen; U Sipolcru, bei dem sich die Flöte von Kazunari und Fadias Stimme mischen, ist für mich absolut gelungen. Wenn ich eine leichte Kritik formulieren sollte: das ungewohnte Ende des Stücks scheint mir nicht besser als das Original. Collected Grief von Olga Wojciechowska ist ebenso ein Höhepunkt des Albums. Es kommt selten vor, elektronische Musik zu hören, die uns im Innersten ergreift und die uns so lange verfolgt wie diese. Eine alte Bekanntschaft, L'Anniversariu di Minetta von Tavagna, das wir immer mit großer Freude hören, umso mehr als diese Version noch großartiger ist als die auf Intantu aufgenommene. Und dann kommt - leider – das Ende des Albums: O Successores von Hildegard von Bingen, wunderbar gesungen von Fadia Tomb El-Hage.

Das Zusammentreffen dieser so unterschiedlichen Persönlichkeiten war ein gewagtes Unterfangen. Man kann nur die Intuition von Sidi Larbi Cherkaoui loben, der vorausahnte, dass das Zusammenkommen von Fadias Stimme und A Filetta magisch würde. Um seine Worte aufzugreifen, "über die unterschiedlichen Sprachen hinaus, verflechten sich ihre jeweiligen Klänge. In einigen Momenten, unterstützen sich die Stimmen; in anderen ergänzen sie sich oder stehen sich entgegen, um sich dann wieder zu einer hybriden aber harmonischen Stimme zu vereinen. Fadia und A Filetta hören sich zu und antworten sich in einer organischen Weise, in einem konstanten meisterlichen und fruchtbaren Austausch".

Kazunari Abe bringt gleichzeitig ein himmlisches Element mit seiner Flöte und ein irdisches mit seinen Trommeln ein. Und schließlich die elektronische Musik von Olga Wojciechowska, die von erstaunlicher Schönheit ist. All diese vereinten Talente hätten sich neutralisieren können. Aber im Gegenteil ist ihre Interaktion ein großartiger Erfolg.

Pè a scusa 

Ende 2012 brachten A Filetta eine CD heraus, die schon auf der Jubiläums-DVD von 2010 „Trent’anni pocu, trent’anni assai“ enthalten war.
Diese CD mit dem Titel „Pè a scusa“, besteht aus 8 Liedern, darunter 3 noch unveröffentlichte („A’ Sergiu“, „Lisboa, noite triste“ und „Tango dell’assenza“).

Verbatim: „Diejenigen, die nicht die DVD-Box haben, fragten uns ständig: wo können wir diese Lieder finden? Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, die CD einzeln erscheinen zu lassen, derweil das neue Werk der Gruppe im Frühjahr aufgenommen wird“, bestätigen die Sänger.

Spieldauer: 31' 02

scusa

1-Liberata

Es handelt sich um den Vorspann des auf Korsika gedrehten Fernsehfilms von Philippe Carrese, der die Beziehung zwischen Korsen und italienischen Besatzern während des 2. Weltkriegs beleuchtet. Dieses Lied war bis zu seiner „Transformation“ polyphon, aber hier handelt es sich um die Originalversion, einzig für Stimme und Piano.

2-Fiure


Auskopplung aus dem Album „Una tarra ci hè“, herausgebracht 1994.

3- A’ Sergiu


Noch unveröffentlichtes von Michel Frassati geschriebenes Lied zur Erinnerung an Serge Martinelli, gestorben bei der Bekämpfung eines Feuers in der Balagne. Michel war Serges Lehrer in Nesce.

4- Tango dell’assenza

Von der sardischen Sängerin Franca Masu geschriebenes Liebeslied, vertont von Daniele di Bonaventura (Bandoneon).

5- Ma dì ciò ch’è tù voli


Auskopplung aus dem Album „In l’abbriu di e stagione“, erschienen bei Kallisté 1987.

6- Cun tè


Auskopplung aus „Cun tè“, herausgegeben von Kallisté 1984.

7- Mare eternu


Lied aus dem Album „In l’abbriu di e stagione“.

8- Lisboa, noite triste


Von dem Lissabonner Autor und Komponisten Jorge Fernando geschriebenes und komponiertes Lied, Auskopplung aus seinem Album „Vida“.

Liberata: Raoul Duflot-Verez, Piano
Fiure, À Sergiu, Ma dì ciò ch’è tù voli, Cun tè, Mare eternu: Jean-Claude Acquaviva, Gitarre
Tango dell’assenza: Daniele di Bonaventura, Bandoneon
Lisboa, noite triste: Jorge Fernando, Gitarre

Kommentar von L'Invitu:

Diese „Halb-CD“ könnte auch „Intantu“ heißen, wenn der Titel nicht schon vergeben wäre. Halb, ja, was aber nicht die Freude vermindert, die Stücke von Vinyl-Platten der 80er Jahre zu hören, die wahrscheinlich niemals wieder aufgenommen worden wären, ebenso die Neuheiten zur Zeit des Erscheinens der DVD, die wunderbaren Tango dell’assenza und Lisboa, noite triste.

Di Corsica Riposu - Requiem pour deux regards

Erschienen am 14. April 2011 (Deda/Harmonia Mundi)

A Filetta, Gesang.
Daniele di Bonaventura, Bandoneon.
Jean-Claude Acquaviva, Erzählung.

Aufgenommen 2010 im Kloster von Marcassu.

requiem


« Das was nicht stirbt, lebt nicht » (V. Jankélévitch)
Wenn der Gesang den Tod behandelt, feiert er nicht das Leben?

Auf Korsika hat die Tradition dem Totenkult einen wichtigen Platz gewidmet. Die Gruppe A Filetta hat auf ihre Weise besonders mit der Integration neuer Einflüsse versucht, zur Wahrung des mündlichen Erbes der Insel beizutragen.

Heute kultivieren diese Sänger, die sich weigern die Hüter irgendeines Tempels zu sein, durch ihre Kompositionen die Idee einer weitergeführten, sich wandelnden und offenen Tradition, die fest in der Erinnerung verankert, aber deren Entwicklung ohne Hemmungen ist. Eine schwierige Übung, ohne Zweifel, aber eine unerlässliche Übung für die Fortdauer eines Traumes: des Traumes, ihre Begeisterung aufrecht zu erhalten ohne ihre Aufrichtigkeit zu beeinträchtigen.

Di Corsica riposu, « Requiem für zwei Blicke » ist eine 2004 für das Festival von Saint-Denis bestellte Komposition. Es handelt sich um ein Requiem in Latein für sieben Stimmen, punktiert durch erzählte oder in mehreren Sprachen – korsisch, französisch, italienisch – gesungene Texte, hervorgegangen aus der modernen Literatur. Außerdem fügen sich einige für dieses Requiem geschriebene Bandoneon-Stücke in den Parcours ein, der die sieben Stimmen von der Erde zum Himmel führt.

Nach ihrer mehr als 30jährigen Existenz, unterschreiben A Filetta mit diesem neuen Album eines ihrer ehrgeizigsten und faszinierendsten Projekte.

Der Kommentar von L'Invitu :

Dieses Requiem, zur Erinnerung an Nicolas Acquaviva und Nicolas Mancini komponiert, die genau vor zehn Jahren von uns gegangen sind, ist Jean Antonelli gewidmet, „der die schönsten Jahre seines Lebens damit verbrachte, der Gruppe Atem einzuhauchen“. Zwei Sachen frappieren beim ersten Hören: die Tiefe und die Kraft der Bässe und die extreme Qualität der Kompositionen und Interpretation.
Aus diesem Blickwinkel betrachtet, bildet das Requiem die Fortsetzung von Medea, mit komplexen und subtilen Kompositionen wo jede Stimme zur Geltung gebracht wird. Wieder einmal präsentiert uns Jean-Claude, nach traditionellen Vorbildern, wundervolle Kompositionen, reich und komplex ohne kompliziert zu sein, mit ungewöhnlichen Harmonien. Das Bandoneon von Daniele di Bonaventura ersetzt vorteilhaft das Cello der anfänglichen Version.

Nach diesem ersten Hören der CD erwarten wir mit Ungeduld den Auftritt im Bouffes du Nord. Wir sehen uns am 25. April!

01 Di Corsica Riposu
02 Miserere
03 Notte Tralinta
04 Subvenite
05 Requiem
06 Kyrie
07 Dies Irae
08 Tuba Mirum
09 Rex Tremendae
10 Lacrymosa
11 Figliolu d'Ella
12 A'Mente
13 M'Aviate Dettu
14 Meditate
15 Domine
16 Nanzu À Sanctus
17 Sanctus
18 Pater Noster
19 Nanzu À Agnus Dei
20 Agnus Dei
21 Altrunimu
22 Lux Eterna
23 Libera Me
24 Da Cirone
25 In Paradisum


Mistico Mediterraneo

Paolo Fresu
A Filetta
Daniele di Bonaventura


mistico


Paolo Fresu Trompete, Flügelhorn
Daniele di Bonaventura Bandoneon
A Filetta:
Jean-Claude Acquaviva Seconda
Paul Giansily Terza
Jean-Luc Geronimi Seconda
José Filippi Bass
Jean Sicurani Bass
Maxime Vuillamier Bass
Ceccè Acquaviva Bass

Aufgenommen im Januar 2010
ECM 2203

"Skizzen von Korsika: lyrisch und glänzend schlängelt sich Paolo Fresus Trompete zwischen die Stimmen der Sänger A Filettas, der Gruppe, die man ebenso als Pioniere,  wie auch als Hüter des Reichs der traditionellen korsischen Polyphonie bezeichnen kann. Mehrere Kompositionen der Gruppe, eine homogene Legierung zwischen Erbe und Experimentellem, sind das Werk ihres Gründers Jean-Claude Acquaviva, der sie seit mehr als dreißig Jahren leitet. Wir haben auch die Gelegenheit, an einer erstaunlichen Demonstration des italienischen Bandoneon durch den virtuosen Daniele di Bonaventura teilzunehmen, der das Spiel neu erfindet, indem er sich in fantasievolle Soli und faszinierende Duette mit Paolo Fresu stürzt, die Stimmen und Trompete in ein quasi orchestrales Sprachgefühl einhüllen. "
(Präsentationstext auf der Website der Gruppe)
Skizzen von Korsika, dem Mittelmeerraum und der weiten Welt sind in dieser faszinierenden Zusammenarbeit zwischen dem lyrischen, italienischen Jazz-Improvisatoren Paolo Fresu, Daniele di Bonaventura und dem Vokalensemble A Filetta reichlich vorhanden. "Mistico Mediterraneo" ist die erste Dokumentation einer Verbindung, die schon seit ein paar Jahren in Gang gekommen ist; es ist auch das ECM-Debüt der korsischen Sänger.
Im Oktober 2006 wurden Fresu und der italienische Bandoneonist Daniele di Bonaventura, zusammen mit zwei weiteren Jazz-Improvisatoren (Saxophonist André Jaume und Schlagzeuger Philippe Biondi) von Regisseur Francis Aïqui für eine Festveranstaltung im Theater L‘Aghja von Ajaccio eingeladen, um eine Basis für die weitere Zusammenarbeit zu schaffen. In den letzten vier Jahren haben die Musiker den Liederzyklus fein abgestimmt, der jetzt als "Mistico Mediterraneo" bekannt ist.
Quelle : ECM Records

Die ersten Kommentare auf der Seite "Paolo Fresu".

Vorbemerkung: Die Fans von A Filetta werden vielleicht durch den "ECM-Sound" verunsichert sein, diesen starken Nachhall, der für viele Produktionen von Manfred Eicher charakteristisch ist. Nachdem man den Moment der Überraschung überwunden hat, vergisst man es aber schnell, so sehr ist man von dem guten Klang eingenommen. Jede Stimme ist identifizierbar, auch wenn die Instrumente gleichzeitig spielen.

1 Rex tremendae
(Jean-Claude Acquaviva)
Daniels Bandoneon, bald mit den Bässen vereint, installiert die Basis des Stückes, dann exponiert Jean-Claude das Thema. Und, eine Überraschung, der durch Harmonizer und Delay "verfälschte" Klang, der plötzlich durch Paolos Trompete aus dem Nirgendwo auftaucht. Später verwendet Paolo sein Instrument in einem traditionelleren Stil – geradezu „Miles Davis-mäßig“ werden einige sagen - um am Ende zum elektronischen zurückzukehren, unterstützt durch Daniele. Wir wetten, dass dieses Rex alle Hörer ansprechen wird. Ich kenne und schätze dieses Stück seit seiner Entstehung und hatte Vorbehalte bezüglich der im Konzert gehörten Version mit Jaume und Biondi, aber ich finde, dass das Rex, diese außergewöhnliche Komposition von Jean-Claude, hier durch Paolo und Daniele noch großartiger wird.

2 Liberata
(Jean-Claude Acquaviva)
Es ist wieder Daniele, der in dieses Stück einführt und eine melancholische Atmosphäre schafft. Nach dem Einsatz von Jean-Claude und dem ersten Beitrag der Gruppe kommt bald Paolo dazu, begleitet von Daniele bei einer gleichermaßen swingenden und zarten Improvisation. Ein Genuss! Der große Jazz-Musiker, der Paolo Fresu ist, spielt nie zweimal das gleiche. Sein Solo ist sehr verschieden zu denen, die wir im Konzert gehört haben, hier luftiger und entspannter, in Calvi mehr rhythmisch. Wie das vorher gehörte Rex, wird dieses Liberata Epoche machen. Übrigens habe ich mich an einem anderen Abend beim Konzert A Filettas dabei ertappt, dass ich auf den Einsatz der Trompete wartete!

3 Da tè à mé
(Jean-Michel Giannelli / Petru Santucci)
Eine Komposition von Jean-Michel Giannelli. Die ganze Gruppe A Filetta beginnt, vereint sich mit Paolo am Ende der ersten Strophe. Das Thema nimmt mit dem Dazukommen von Daniele bald die Form eines Walzers an, dann nimmt die Gruppe es auf, begleitet von den beiden Musikern, und kehrt gegen Ende zum Walzer zurück, mit schönen Aufschwüngen der Trompete. Erstaunlich! Ein Thema, dass man nach dem Hören nicht mehr vergessen wird.

4 Le lac
(Bruno Coulais)
Einführung von Paolo mit elektronischen Effekten, vereint mit den Rhythmus von Danieles Fingern auf dem Bandoneon, dann stimmt A Filetta das tibetische Mantra an, das Bruno Coulais für Himalaya komponiert hat: "Om Taré Tûraré Tûré Soha", immer von Paolos harmonisierter Trompete und Danieles Tönen begleitet.

5 Dies irae
(Jean-Michel Giannelli)
Diese Komposition von Jean-Michel Giannelli kommt auf der CD Passione vor. Hier vermischen sich nach einer Einführung durch das Flügelhorn und das Bandoneon die Stimmen mit dem Klang der Instrumente zu einem sehr kohärenten Ensemble.

6 Gloria
(Bruno Coulais)
Eine etwas verrückte Neuschöpfung des Gloria aus Le Libertin. Daniele klopft auf sein Bandoneon, Paolo improvisiert ein sehr rhythmisches Thema, bald begleitet von Daniele. A Filettas Bässe intonieren das Gloria, kommen mit den anderen Stimmen zusammen, gleiten über die luftigen Noten Paolos, der schließlich seine elektronischen "Teufeleien" nutzt, Harmonizer, Delay ... Das verrückteste Thema dieser CD.

7 Corale
(Daniele di Bonaventura)
Radikaler Wechsel der Atmosphäre mit Corale, einer wunderschönen Komposition von Daniele. Ein Bandoneon/ Trompetenduo, bei dem das Einvernehmen der beiden italienischen Musiker bemerkenswert ist.

8 La folie du cardinal
(Bruno Coulais)
A Filetta diesmal ohne die beiden Musiker bei diesem Auszug aus der Musik von Bruno Coulais komponiert für Le Libertin. Ein sehr humoristisches Stück, fabelhaft interpretiert. Aber es ist eine Binsenweisheit das zu sagen!

9 U Sipolcru
(Jean-Claude Acquaviva)
Paolo spielt eine lange Einführung in das Thema von U Sipolcru, die Stimmen setzen ein. Paolo punktiert es mit einigen immer passenden Interventionen.

10 Scherzi veranili
(Jean-Michel Giannelli)
A Filetta wird bei dieser Komposition von Jean-Michel Giannelli, die bereits auf Bracana vorkommt, durch das Bandoneon begleitet. Wiederum bringt das Instrument eine zusätzliche Dimension in das Lied.

11 Figliolu d’ella
(Jean-Claude Acquaviva)
Eine ziemlich lange instrumentale Einleitung von Daniele vereint mit Paolo, in der man bald die Akkorde von Figliolu d’ella wiedererkennt, und Paul übernimmt die Fortsetzung, vereint sich mit Jean-Luc, dann mit Maxime. Paolo kommt zurück; der hallende Klang in diesem Stück erinnert an eine Kathedrale ...

12 Gradualis
(Daniele di Bonaventura / Jean-Claude Acquaviva)
Eine weitere Komposition von Daniele nach einem Text von Jean-Claude. Tolle Intervention von Paolo mit gedämpfter Trompete, dann erheben sich die Stimmen. Man ist fast von der relativen Kürze des Stückes frustriert, das man sich in einer längeren Fassung gewünscht hätte. Hören wir es uns beim nächsten Mal an!

13 Sanctus
(Daniele di Bonaventura)
Zum Abschluss ein wunderbares Duett, voller Andacht, zwischen Daniele und Paolo über einer Komposition von Daniele.

Fans des Jazz und von Paolo Fresu müssten von diesem beispiellosen Treffen zwischen Trompete, Bandoneon und korsischen Polyphonie eingenommen sein. Die Liebhaber der traditionellen Polyphonie dürften vielleicht mehr Schwierigkeiten haben, beim ersten Hören in dieses Universum einzutreten, obwohl die Gruppe uns mit ihren wagemutigen Treffen schon daran gewöhnt hat. Um an diese CD ohne Vorurteile heranzugehen, muss man versuchen, die A cappella-Originalversionen zu vergessen und meinen, dass man eine neue Kreation hört.

Trotz der Unterschiedlichkeit der Repertoires (Kompositionen von Jean-Claude Acquaviva, Jean-Michel Giannelli und Daniele di Bonaventura), ist Mistico Mediterraneo ein kohärentes Ganzes. Eine echte Begegnung, wo jeder den anderen zuhört. Ein originelles und fesselndes Werk. Man wünscht sich eine Fortsetzung dieses schönen Zusammenspiels, mit vielleicht noch mehr Kühnheit bei den Improvisationen. Um es deutlich zu sagen, wir erwarten schon die nächste CD, besonders mit den im Konzert gehörten Meditate und Ritus, und auch, seien wir verrückt, eine Duo-CD von Paolo Fresu / Daniele di Bonaventura!

© Jean-Claude Casanova


Trent'Anni Pocu, Trent'Anni Assai


trentanni

Diese DVD-Box ist unten auf der Seite beschrieben. 
 

Bracanà 

bracanà

"A vita cerca sempre un pratu novu à pasce"

Das Leben sucht immer neue Weiden.
"Le temps ne manque jamais au temps d'une vie qui va."

Die Zeit fehlt niemals in der Zeit eines Lebens, das fließt.  

"Bracanà", was man übersetzen könnte mit „bunt bemalt“ oder „Farbwechsel mit zunehmender Reife“, ist der Titel dieses neuen Albums mit 14 Liedern, alle A cappella und großartig arrangiert. Die Stimmen erfassen die Emotion, verstärken sie, verdeutlichen sie.

A Filetta ist mit einigen bisher unveröffentlichten Kreationen zu hören, besonders die Lieder eines Kreuzwegs („Via Crucis“), entstanden in Calvi unter der Leitung von Orlando Forioso.

Die Texte (außer den liturgischen) sind von Jean-Claude und Jean-Yves Acquaviva, Primo Levi, Pampasgiolu und Petru Santucci. Diese neue Sammlung reflektiert den Weg, den diese Gruppe seit einigen Jahren durchlaufen hat, die sagt, „mehr das sein zu wollen, was man verteidigt, als das zu verteidigen, was man ist ».

 
1 – 1901

(Jean-Claude Acquaviva/Jean-Claude Acquaviva)

Ein Text zur Erinnerung an zwei Georgier (Tao und Georges), beide 1901 geboren und mit parallel verlaufenden Schicksalen: Geburt im Kaukasus, dann Exil und Tod weit von zu Hause entfernt. Die Worte, an ihre Kinder gerichtet, sprechen von der Liebe zum Heimatland, der Sehnsucht, aber auch von der Furcht vor der Rückkehr.

2 – Dies irae
(liturgisches Lied/Jean-Claude Acquaviva)

Lied hervorgegangen aus dem Via Crucis.

3 – Alilo
(traditionnell aus Georgien)

Georgisches Weihnachtslied, weitergegeben an A Filetta durch "Les Voix de Géorgie".

4 – Lode à una simpatica zitella
(Pampasgiolu/traditionnell)

Es handelt sich um einen Text des Dichters Pampasgiolu, überarbeitet von dem Autor einige Monate vor seinem Tod, in dem er die Vorzüge eines jungen Mädchens preist, das er verehrt. Dieses junge Mädchen ist niemand anders als Geneviève Geronimi, zukünftige Mutter von Jean-Luc Geronimi, der dieses Loblied interpretiert.

5 – Benedictus
(liturgisches Lied/Jean-Claude Acquaviva)
Lied des Via Crucis.

6 – L'invitu (extrait)
(Jean-Claude Acquaviva/Jean-Claude Acquaviva)

Dieser Auszug ist der Schlußpart von "L'invitu", Lied I von Medea, wo der Chor seinen Wunsch nach der königlichen Hochzeitsfeier ausruft, und dabei Medea, die verstoßene Ehefrau, auffordert, das Königreich zu verlassen.

7 – Beati
(liturgisches Lied/Jean-Claude Acquaviva)
Lied des Via Crucis

8 – U cantu di l'acqua
(Jean-Claude Acquaviva/Jean-Claude Acquaviva)

Ein Lied des Kreuzwegs, das eine Rolle spielt in der Passion Christi: es ist der Moment, wo Pilatus das Schicksal des Jesus von Nazareth in die Hände des jüdischen Volkes übergibt. Ein Text, der die Ambivalenz des Wassers hervorhebt: üblicherweise Symbol des Lebens, verwandelt es sich hier in die Ankündigung des Todes.

9 – Nana
(traditionnell)
Georgisches Wiegenlied

10 – Meditate
(Primo Levi/Jean-Claude Acquaviva)

Nach einem Text von Primo Levi, Auszug aus "Se questo è un uomo", erinnert diese Kreation des Via Crucis an die zwingende Notwendigkeit, nicht zu vergessen, wie Grauenhaftigkeit und Barbarei enstanden sind, sonst wird man sie wiederauftauchen sehen.

11 – Liberata
(Jean-Claude Acquaviva/Jean-Claude Acquaviva)

Es handelt sich um den Nachspann des Fernsehfilms, der in der Balagne gedreht wurde und den Widerstand auf Korsika während des 2. Weltkriegs zum Thema hat. Dieser Text wurde zur Erinnerung an Pierre Griffi geschrieben, einen jungen Funker in Algerien an Land gesetzt, hingerichtet in Bastia 1943 von den Schwarzhemden.

12 – Scherzi veranili
(Petru Santucci/Jean-Michel Giannelli)

Die Worte von Petru Santucci nehmen das Beklemmungsgefühl des Poeten bei der Annäherung des Frühlings zum Thema. Er hält diese Jahreszeit für wenig aufrichtig, da sie zu euphorisch ist.

13 – Cuntrastu
(traditionnell)

Hier wird ein poetisches Duell voller Humor und Anspielungen wiedergegeben zwischen einem „todmüden“ Ehemann und seiner eifersüchtigen Frau, die ihm Untreue vorwirft.

14 – Treblinka
(Jean-Yves Acquaviva/Jean-Claude Acquaviva)

Ein Text von Jean-Yves Acquaviva, der mit großer Sensibilität eine Hoffnung trotz des Schreckens ausdrückt, das Leben trotz der Hölle, und an andere wichtige Schriften von Levi, Amry oder Semprun erinnert.


Nach dem ersten Hören: eine totale Verzauberung

Wir gehörten zu einigen Priviligierten, die schon jetzt Bracanà erwerben konnten, dessen Verfügbarkeit in den Läden wegen eines Feuers im Fertigungsbereich der CDs um einige Tage verspätet sein wird.  
Ich habe es schon einige Male hören und jedes Lied genießen können.

Zuerst die Verpackung: ein originelles Design der schönen CD-Hülle, ein Booklet mit an die zwanzig Seiten, mit einem von Giovanna Marini verfaßten Einführungstext und den Liedtexten (original und in französisch).

Kommen wir zum Inhalt. A Filetta hat wieder einen Höhepunkt erreicht. Das möchte man bei jeder ihrer CDs sagen, aber dieses Mal hat man wirklich das Gefühl, daß die Gruppe eine Fülle, eine Reife erreicht hat, die, weit entfernt davon in Routine zu verfallen, sie im Gegenteil in völliger Freiheit dazu drängt, neue Pfade zu erforschen.  

Auf Anhieb faszieniert 1901. Der fortdauernde Baß, dem georgischen Gesang entliehen, die Exposition des ersten Themas durch Jean-Luc, bald das Zusammentreffen mit den anderen, der Einsatz von Jean-Claude, das subtile Schwingen des zweiten Themas, mit Anklängen an Himalaya für einige Momente, die Tiefe der Bässe, die Sanftheit der Melodie, das finale Ausklingen mit dem Wort "Geurgia"..... Ein Lied, das uns nicht mehr verläßt.

Das darauf folgende Dies Irae ist auf demselben Niveau. Ein erstaunlich beruhigtes Lied, die Angst vor dem Tag des Zorns (dem Jüngsten Gericht) tritt nicht vor dem Ende mit den Worten "Dona eis requiem" in Erscheinung. Ein unglaublicher Reichtum im Arrangement der Stimmen. Eine Polyphonie im vollen Wortsinne!

Alilo markiert einen gewissen Bruch im Klima mit der Rückkehr zum traditionnellen georgischen Gesang. Man hatte vergessen, daß die Lieder A Filettas ebenso sehr sanft, wie auch machtvoll sein können.

Auf Bracanà sind die traditionnellen Lieder nicht mehr vetreten, außer durch zwei Monodien gesungen von Jean-Luc. Die erste ist Lode à una simpatica zitella, komponiert von Pampasgiolu.... eine Hommage an die zukünftige Mutter von Jean-Luc, die in diesem Lied selbstverständlich vollkommen ist.

Das Benedictus des Via Crucis ist von einer unwahrscheinlichen Modernität. Komplexe Gegengesänge folgen auf skandierte Passagen in einer unglaublichen Fülle. Jede Stimme singt eine verschiedene Partitur, aber das Ensemble bleibt in perfektem Zusammenhalt. Der wunderschöne Wechsel des Akkords vermittelt ein noch etwas mehr an Emotion. Und was nichts anderes sein könnte, als eine Demonstation von Technik oder unmotivierte Virtuosität behält immer einen tiefen Sinn. Große Kunst....

Ist es nur die Kürze des Auszugs aus L'Invitu, die ihn uns verstärkt erscheinen läßt im Verhältnis zu der vollständigen Version auf der vorigen CD?  Ich glaube es nicht. Jean-Claude ließ uns teilhaben an seiner Unzufriedenheit mit dem Schluß dieses Liedes auf der CD Medea. Hier zeigen die drei Teile dieses kurzen Auszugs ihre ganze Kraft. Ein Wunderwerk!

Beati, ein anderes Lied des Via Crucis, ist eins der seltenen Stücke A Filettas, das mit voller Stimme gesungen wird. Was ihm aber kein Quäntchen Subtilität wegnimmt.  

U Cantu di l'acqua ist aus zwei Teilen aufgebaut: eine Exposition mit voller Stimme, dann eine sehr sanfte Wiederholung mit der Stimme von Paul im Vordergrund. Danach führt eine Art Brücke eine neue Exposition des Hauptthemas ein, dann eine zweite.

Das georgische Nana, das von jetzt an Makharia als Eröffnung der Konzerte ersetzt, ist noch ein Modell an Sanftheit mit der Stimme von Jean-Claude, unterstützt durch Pauls großartigen Gegengesang.

Meditate hat sich stark weiterentwickelt seit seiner Entstehung 2003. Eine Fülle an Echos der Stimmen skandieren die Worte von Primo Levi: "Meditate... Scolpitele nel vostro cuore..."

Schon mit den ersten Noten von Liberata (Alba...) durchläuft einen ein Schaudern. Das Lied ist mal streichelnd, mal machtvoll, mal zerreißend. Im Gegensatz zu den Konzerten, rezitiert hier Jean-Claude den Text bevor er ihn singt. Man sollte nicht versuchen, dem gedruckten Text zu folgen; A Filetta destrukturiert den Text, benutzt Silben und Klänge, um ein rythmisches und melodisches Fundament zu schaffen, ein bißchen wie es die Jazzer mit dem Scat machen. Persönlich habe ich eine leichte Vorliebe für die im "Européen" präsentierte Version, und ich habe noch die von Calvi mit dem überragenden Solo von Paolo Frescu in Erinnerung! Aber man befindet sich auf einem sehr hohen Niveau.

Die Scherzi veranili, auf einen Text von Petru Santucci und eine Musik von Jean-Michel Gianelli, erlauben besonders gut die schöne tiefe Stimme von Ceccè zu hören.

Die zweite Monodonie, Cuntrastu, ist fast eine Form von "chjami è respondi" zwischen einem etwas schürzenjägerhaften Ehemann und einer sehr eifersüchtigen Ehefrau. Jean-Luc singt sie mit einer Meisterschaft, die nur ihm zu eigen ist, einer unvergleichlichen Mischung aus Rauheit und Eleganz. Seine Art zu phrasieren, sich auf die Silben zu stützen ist unnachahmlich.

Und schließlich Treblinka. Kurz erzählt, Jean-Claude hatte den großartigen Text von Jean-Yves Acquaviva und hat vorgeschlagen, ihm zu vertonen, um die CD zu vervollständigen. In einigen Minuten war das Lied geschrieben! Das ist schwer zu glauben, denn es ist großartig! Das Hauptthema, fast gemurmelt  vorgetragen von Jean-Claude, wiederholt sich in einer quälenden Schleife, zuerst skandiert durch die Töne des Piano, dann mit Beginn der zweiten Strophe unterstützt durch ein außergewöhnliches Summen mit geschlossenem Mund. Mit der dritten Strophe beginnt der Einsatz aller Stimmen vor den von Paul und Jean-Luc erzeugten Bässen, was eine frostige Atmosphäre hervorruft. Man muß hören, wie Jean-Claude das Wort "Treblinka" am Ende der dritten Strophe ausspricht.....
Und die überragenden Gegengesänge von Jean-Luc und Paul am Schluß klingen wie Blasinstrumente, die in die Dissonanz abgleiten.
Das stärkste in diesem Lied ist, daß die Hoffnung trotz des Grauens, das Leben trotz der Hölle, präsent sind.

"A vita cerca sempre un pratu novu à pasce", das ist die Botschaft dieses Werks, das man nicht mehr vergißt, wenn man es gehört hat. Nach zwei Konzerten finde ich die Klänge des Pianos in der aufgenommenen Form fast überflüssig. Auch hier ist die Konzertversion noch schöner, noch bewegender (aber alles ist relativ auf diesem Niveau). Wann wird die Gruppe sich entschließen, eine Life-CD (oder DVD) zu veröffentlichen?

Chronik (der Musikzeitschrift) "Mondomix"

A Filetta ist nicht das, was man sich auf die Schnelle vorstellt: eine einfache Gruppe schwarz gekleideter Polyphoniesänger, während eines Urlaubs auf Korsika in einer Kapelle angenehm zu hören. Selbst wenn es ziemlich ideal ist, sie unter diesen Umständen zu entdecken, muss man sich von den Klischees entfernen, um an ihre Musik heranzugehen. Sie sind gewiss fest verankert in einer tiefen Tradition, aber um das Farn widerzuspiegeln, das sie als Emblem gewählt haben: sie wenden sich in Richtung Sonne.

In den 30 Jahren, seit sich diese sieben Ausnahmesänger zusammengefunden haben, haben sie nicht aufgehört, sich weiterzuentwickeln, zu experimentieren, und dabei die Grenzen eines streng erscheinenden Genres zu verschieben. Ohne jemals dem Reiz von Kunstgriffen zu erliegen, haben sie immer ihre Erfahrungen in Frage gestellt. Auf dem Weg der Innovation mit ebenso viel Strenge wie Entschlossenheit voranschreitend, nähren sie sich vom Kontakt mit anderen Kulturen, von anderen künstlerischen Annäherungen. 

Im Gegensatz zu ihrer letzten Arbeit Medea, die sich auf das Werk von Seneca konzentrierte, schöpft Bracanà („bunt bemalen“) aus mehreren Quellen, kreiert die Geschlossenheit durch die Feinheit seiner Harmonien und thematischen Verwandtheit, wobei sich Hoffnung und Besorgnis mischen. Hoffnung, die sich durch die vertonten liturgischen, korsischen Texten zieht oder das traditionelle georgische Wiegenlied oder das Lied zur Geburt Christi. Der Optimismus ist auch angedeutet in dem aufkeimenden Frühling, beschrieben in den Scherzi veranili, aber man weiß von den vereisten Wunden, die die Knospen bedecken.... 

Die Besorgnis ist niemals fern: insbesondere die, die der Totalitarismus erzeugt, an den in der Adaption eines Textes von Primo Levi erinnert wird (Meditate), ein Thema, das ein Echo wirft auf das abschließende Treblinka, gezeichnet von dem Leiter des Chors Jean-Claude Acquaviva.
Die Lieder, die Gegengesänge, die Melismen und die feinen Harmonien beruhigen dennoch und lassen eine heitere Schönheit erblühen, die aufmerksam für alles ist, was sie gefährden könnte, aber bestimmt und souverän bleibt.

A Filetta, die in diesem Jahr eine 30jährige reiche und anspruchsvolle Karriere feiern, bestätigen hier ihren  Status, an der Spitze einer überlieferten Vokalkunst zu stehen, der sie eine respektvolle Modernität und zusätzliche Würde verleihen.  

Benjamin MiniMuM


Medea


medea

Chor I: L’invitu (Die Einladung)
Chor II: L’arditezza (Die Kühnheit)
Chor III: U casticu (Die Bestrafung)
Chor IV: U furore (Die Raserei)

Gesamtspielzeit: 46 Minuten 30

Aufgenommen Anfang 2005 im Kloster Marcassu, Cateri

Neun Jahre nach der Erstinszenierung von Medea im Theater, endlich die CD, gewidmet der Erinnerung an die kurz zuvor verstorbene Maï.
Diese vier Kompositionen von Jean-Claude Acquaviva, die die vergangene Liebe der Kaukasierin Medea und Jasons behandeln, das Argonauten-Epos und schließlich die mörderische Wut der verstoßenen Frau, die danach aus dem Königreich verbannt wird, sind von einer unwahrscheinlichen Kreativität (ein UFO, nach Bruno Coulais), weit über das hinaus, was das Publikum üblicherweise auf dem Gebiet korsischer Polyphonien zu hören bekommt.

Diese bewegende, einzigartige, vielseitige Schöpfung ist wirklich ein innovatives Werk, mit fernen Echos der Lieder des Mittelmeerraums, insbesondere von Georgien, wobei seine Wurzeln in dem korsischen traditionellen Gesang liegen.
Es ist auch eine Nahtstelle in der Entwicklung von A Filetta.

Die Lieder II und III behandeln das Epos und die Wechselfälle der Argonauten, während in den Liedern I und IV der Chor vor allem die Verurteilung von Medeas Abscheulichkeit schildert, die gegen jede menschliche Norm verstößt.

Jason ist der Sohn Aisons, des Königs von Jolkos in Thessalien. Pelias, der Bruder Aisons, verdrängte aber seinen Bruder und bemächtigte sich des Thrones. Als Jason später die Rückgabe fordert, erklärt sich Palias dazu bereit unter der Bedingung, dass sein Neffe aus Kolchis, einer Landschaft am Schwarzen Meer, das Goldene Vlies zurückbringt. Es handelt sich dabei um das Fell eines Widders, mit dem Phrixos seinerzeit die Flucht durch die Ägäis gelungen war. Er opferte das Tier und gab das Fell Aietes, dem König von Kolchis, der ihn gastlich aufgenommen hatte.

Jason baut, mit Hilfe der Göttin Athene, ein Schiff aus Bäumen des Berges Pélion, die Argo, und schifft sich mit der Elite der griechischen Helden ein, den Argonauten, unter ihnen Herkules, Orpheus, Tiphys, der Steuermann wird. Aietes legt Jason eine Reihe von Prüfungen auf, die er mit  Hilfe Medeas besteht, der zauberkundigen Tochter des Königs von Kolchis. Jason hatte sie verführt und ihr versprochen, sie zu heiraten. Dank ihrer magischen Kräfte, gelingt es ihm, zwei Feuer blasende Stiere unter das Joch zu legen und den Drachen einzuschläfern, der das Goldene Vlies bewacht.

Medea und Jason fliehen und nehmen den jungen Bruder Medeas, Absytos, mit. Medea ermordet diesen, zerstückelt ihn und wirft seine Glieder einzeln auf den Weg, um das Vorwärtskommen ihres Vaters zu bremsen, der sie verfolgt.

Zurück in Jolkos verlangt Iason das ihm Zustehende, aber Pelias verweigert ihm den Thron. Nun ersinnt Medea eine schreckliche List, um den Thronräuber loszuwerden. Es gelingt ihr, die Töchter von Pelias zu überzeugen, daß sie fähig ist, ihren Vater zu verjüngen. Dazu nimmt sie einen Schafbock, zerlegt ihn in Stücke, wirft ihn in einen kochenden Kessel und holt ein lebendes Lamm heraus. Darauf veranlasst sie die Töchter des Pelias, mit ihrem Vater das gleiche zu tun, aber aus dem Kessel kommt nichts wieder hervor.

Die Bürger von Jolkos, die empört und zutiefst erschüttert sind, jagen Medea und Jason, die nach Korinth zu König Kreon flüchten. Dieser befürchtet Repressalien und verlangt von Jason, daß er Medea verstößt und seine eigene Tochter Glauke, auch Kreusa genannt, heiratet. Dort knüpft die Tragödie an, an dem Morgen der Hochzeit von Jason mit Glauke:
"Götter des Himmels, Götter des Meeres, kommt und segnet diesen königlichen Ehebund. Und auch ihr, Menschen der Erde, kommt zu uns gemäß dem Ritus. Und was sie betrifft, die Fremde, laßt sie weggehen in der Nacht ohne ein Wort, aufs Geratewohl aufbrichen, wie eine, die sich von einem Durchreisenden mitnehmen lässt….“ (*)

1. L’invitu ist gewissermaßen die Ouvertüre des Werkes. Dieses Lied eröffnet mit der Hochzeit Jasons mit der Zauberin Medea, Tochter des Aietes, König von Kolchis. In Jason verliebt, hat sie ihre Magie benutzt, um diesem zu helfen, das Goldene Vlies zu erobern. Der Chor ruft zuerst die Götter an, erinnert an die Liebe Jasons ("Maestri in celu ...") und fordert schließlich Jason auf, sich von Medea zu befreien ("Picca ti da roza a Caucasica"), um eine griechische Frau zu heiraten. Es folgt ein erstaunliches Ritornell ("Ribombinu puru i scaccani") vor der Anrufung für den Weggang Medeas: "Daß sie weggehe… (" Quella, a si porti a notte senza mancu una parolla "), eine Passage, in der man Echos des Themas von U Furore erkennt.
"L’invitu" ist außergewöhnlich. Subtilität, Erfindungsgabe, Emotion, großartige Harmonien, sichere Stimmtechnik, Vermählung der Klangfarben, kühne und einfallsreiche Schreibweise des Stückes, alles ist vollkommen! Es ist eine dichte Musik, die von Medea erzählt, aber noch anderes mehr, und die uns sehr weit wegträgt.

„Ohne Zweifel war es eine maßlose Kühnheit, die diese anmaßenden Seeleute antrieb.
Sie wollten die Wellen, das maritime Reich, mit einem zerbrechlichen Boot bezwingen und so die Ordnung der Welt ins Wanken bringen. Von jetzt an ist Anderswo nicht mehr woanders und wir also nicht mehr des Horizonts beraubt. Diese Unternehmung war verbrecherisch, die Götter waren erbarmungslos, die Bestrafung war schrecklich. Und warum diese Reise, warum diese Fahrt? Für das Goldene Vlies, aber auch für eine Frau, die noch gefährlicher ist als das Meer: Medea ...“(*)

2. L’Arditezza, hier wie der folgende Chor, in der Komplettfassung gesungen, berichtet von der Kühnheit der Argonauten, die aufgebrochen waren, das Meer herauszufordern.

"Keine Macht der Welt, weder Feuersbrunst noch Wirbelsturm oder Kriegsmaschine, hat die Gewalt einer verlassenen Frau, hat nicht ihre Glut und ihren Haß. Götter des Himmels, die ihr mit der Rache satt seid, habt Mitleid. Alle diese kühnen Argonauten haben bezahlt. Aber lasst den Eroberer der Meere in Frieden leben, verschont Jason, er folgte nur seinem Auftrag.“ (*)

Dieses Lied, zu einem Text von erstaunlicher Modernität, bricht vielleicht am meisten mit dem traditionellen Gesang, mit seinen sehr langen Sätzen, mit Passagen, die in der Luft zu schweben scheinen. 

3. U casticu hat als Thema die Bestrafung dieser Kühnen "Rei tutti, culpiti tutti".

"Wohin kann also die blutbefleckte Zauberin gehen? Auf welchen unglücklichen Wegen trägt sie ihre Wut aus anderer Zeit davon? Sie hat wilde Augen und das Haupt stolz erhoben, um die Herausforderung des Königs fortzusetzen. Ist das die Haltung einer Frau, die man gerade verbannt hat?" 

„Kreon hatte Medea einige Stunden zugestanden, damit sie ein letztes Mal ihre Kinder umarmen kann. Sie hat diese Augenblicke ausgenutzt, um ihre Rache zu stillen: Sie schickt der jungen, neuen Frau Jasons ein vergiftetes Gewand und ein Diadem. Als Glauke beides anlegt, wird sie vom Feuer verbrannt. Das Haus von Korinth wird in Brand gesetzt und der Tyrann Kreon kommt in den Flammen um.

Schließlich zerbricht und annuliert sie ihre Hochzeit mit Jason, indem sie eigenhändig die gemeinsamen Kinder ermordet. Jason lässt sie am Leben, Auge in Auge mit seinem Schmerz, seinem Zweifel, seiner Reue.

Was sie betrifft, sie findet ihre Jungfräulichkeit wieder und gleichzeitig ihre Legimität als Prinzessin von Kolchis, als sie auf einem Wagen davonfliegt, den ihr der Sonnengott Helios, ihr Großvater, geschickt hat.“ (*) 

U casticu erweckt den Eindruck, in einen der Tradition näheren Gesang zurückzukehren, aber das geschieht, um es besser zu transzendieren. In gewisser Hinsicht ist es wahrscheinlich sogar das innovativste der vier Lieder. 

4. U Furore, schließlich, erinnert an die Wut der verstoßenen und verbannten Medea, die ihre Kinder ihrer Rache opfert. Viel moderner als der zweite, viel kürzer als die drei vorigen Chöre, ist das der einzige rhythmische Chor und paradoxerweise derjenige, der am meisten unstrukturiert ist, mit Stimmen, die den Wahnsinn Medeas wiedergeben. Man wird bemerken, daß das Thema von U Furore in L’Invitu und in U Casticu schon auftaucht.

 (*) Diesen Text in Anführungszeichen, verwendet Jean-Claude Acquaviva für seine Ansagen bei den Konzerten. 

Das Ergebnis - wie so oft, wenn sich die mediterranen Traditionen mischen - ist eine Einladung zu einer Reise. Die Poesie der Texte Senecas, findet einen natürlichen Widerhall in der Lyrik der korsischen Sprache. Die Polyphonie erfasst dieses Gefühl, verstärkt und präzisiert es, und gibt es mit einer außergewöhnlichen Genauigkeit wieder. Außerdem gelingt es der harmonischen Architektur des polyphonen Gesanges ausgezeichnet, das Volumen dieses lebendigen Schauspiels zurückzugeben, für das diese Texte verfaßt wurden.

 Medea kann als ein Meisterwerk angesehen werden. Es ist zu bemerken, dass dieses Werk, längst noch nicht fixiert ist und sich in einer kontinuierlichen Entwicklung befindet. So haben die Zuschauer von Seclin oder von Paris im Oktober 2006 die Einführung eines Glöckchens am Anfang von U Casticu, oder andere subtile Veränderungen bemerken können. 

 Um weiteres zu erfahren, kann man die Interviews mit Jean-Claude lesen, in denen er vielfältige Erklärungen zur Entstehung des Werkes gibt, der Arbeitsweise der Gruppe, der Bedeutung von Meda auf dem Weg von A Filetta, u.s.w.

 

medea

jl

Das Werk ist nicht in Partituren geschrieben, also mussten wir es vollständig in nach dem Gehör lernen. Die Schwierigkeit war umso grösser, weil einige der Chöre bis zu 17 Minuten Polyphonie beinhalten. Alle diese Jahre waren notwendig gewesen für das Erlernen, aber vor allem, um diese Lieder reifen zu lassen, die, wegen ihrer Dauer, nicht nur nach einer vollkommenen Kenntnis jeder der sieben Stimmen verlangten, sondern vor allem nach einer starken Konzentration vom Anfang bis zum Ende des Werkes. Es bestand das Risiko, „die Strecke nicht zu überstehen“, die Tonarten und sogar die Aufmerksamkeit des Publikums zu verlieren.

jean

Dieses Album von Medea hat seine Quelle in den Herzen und der Seele der Mitglieder von A Filetta, alles ist Erinnerung und Leben. Eine Übermittlung des kollektiven Gedächtnisses eines Volkes, tief verankert in unserem „Mare nostrum“, das geprägt hat, was wir sind: Menschen, einfache Menschen, die versuchen vollständig das zu leben, was sie sind. Die Liebe ist König in unseren Herzen, und unser Leben ist da, um geteilt zu werden. Die mediterrane Mythologie ist, wie alle Mythologien der Welt, in erster Linie die der Menschen, bevor sie diejenige von Göttern und Helden ist.

ValÚrie

Die Auswahl einer Plattenhülle ist immer ein ziemlich komplexer Moment in der Konzeption und Realisierung eines Albums. Man weiß im Allgemeinen, was man "machen will", aber die Frage, die sich oft stellt, ist: wie? Außerdem können Sie sich sicher sein, dass die 8 Personen, aus denen die Gruppe A Filetta besteht, zwangsläufig einen sehr unterschiedlichen Geschmack haben.Bei Medea waren wir, nach vielen Diskussionen und der Erforschung verschiedener Wege, nicht  überzeugt von der Visualisierung, die wir ausgewählt haben, um diese wunderschöne Geschichte zu präsentieren.

In unseren Büros in Carubbu, hatten wir einen Kalender mit Fotos des Ballets de Monte-Carlo, mit dem wir im Jahr 2004 gearbeitet hatten. Es gab eine Reihe von Fotos der Primaballerina Bernice Coppieters, und plötzlich erschien es uns als eine Selbstverständlichkeit: diese schöne Foto von Bernice (Foto von Yann Coatsallou) konnte diese Frau vollständig darstellen.


bernice

„Wohin geht sie, die blutbefleckte Mänade?
Wohin läuft sie gesenken Hauptes, die wilde Verliebte?
Welches Verbrechen bereitet sie vor,Wütend und entfesselt?"

JosÚ


Jedes Lied hat seine Schwierigkeiten. Die Chöre von Medea sind nicht sehr technisch: die Stimmen verlaufen fast immer parallel. Die einzige Schwierigkeit ist ihre Länge: von vier Minuten für den kürzesten bis siebzehn Minuten für den längsten….
Die ganze Zeit konzentriert zu bleiben, das ist nicht immer einfach.

paul

Vor dem Beginn des Abenteuers im Theater, hatte ich keine Erinnerung mehr an Medea, außer an den Kindsmord; als wir uns in die Arbeit hineingekniet hatten, haben sich mein Blick und meine Gefühle für diese Figur geändert. Ich fand sie berührend. Sie hat ein tiefes Mitleid in mir erweckt und schließlich würde ich fast wagen zu sagen, daß ich sie einfach menschlich fand. Die Wut wird somit dann fast legitim und lässt den Kindsmord wie eine letzte Liebestat erscheinen. Erinnern wir uns, daß sie schon seit dem Anfang des ersten Chores von den Protagonisten ernstlich "aufs Korn genommen" wird. Jason hat sie für eine jüngere und schönere Frau verlassen; aber das genügt nicht, man muß sie noch mehr verletzen, sie demütigen, sie beleidigen. "Was sie betrifft, die Fremde, sie soll aufs Geratewohl gehen in der Nacht, wie eine, die sich von einem Durchreisenden mitnehmen lässt."

Während der ganzen Chöre 2 und 3 fühlt man etwas Schreckliches hervorquellen, fuchtbar und unvermeidlich: "Keine Kraft der Welt, weder Feuersbrunst noch Wirbelsturm oder Kriegsmaschine hat die Gewalt einer verlassenen Frau, hat ihre Glut und ihren Haß".

max

Es gibt einige Parallelen zwischen dem Weg von A Filetta und dem Epos der Argonauten, dieser stolzen Seeleute, die das Meer zu zähmen wußten, um außergewöhnliche Abenteuer zu erleben.Zunächst die Reisen, die als Ideal, zum Ziel, die "Rückkehr nach Hause" haben: Nach jeder Tour gibt es das notwendige Bedürfnis, sich zu erholen, wieder in seine Heimat und zu seiner Familie zurückzukehren.Dann beschreiben viele Legenden die Gefahren, die mit den Argonauten überstehen dank der besonderen Tugenden jedes Einzelnen. Wie sprechen nicht über die Tugenden A Filettas, sondern über die Klangfarben, über die Erfahrungen, über die Freundschaften oder, ganz einfach, persönlichen Erfahrungen, die es uns erlaubt haben, einige Schwierigkeiten, aber musikalischer Art zu lösen; das ist wahr. Und es gibt schließlich die Suche nach dem Goldenen Vlies, das sich an diesem „scheinbar unerreichbaren Ort befindet, wo sich die Männer noch etwas zu sagen und miteinander zu teilen haben", dieser magische Platz ist für mich die Dauer eines Konzerts.

jc
Als JY Lazennec uns vorgeschlagen hat, eine antike Tragödie zu bearbeiten, stellte sich für uns das Problem, in welcher Sprache würden wir singen: in Französisch? Das war aus augenscheinlichen Gründen des Rhythmus undenkbar, besonders in Verbindung mit der Betonung. Wir hätten den Text in der Originalsprache Latein interpretieren können, aber es erschien uns besser, ihn in korsisch zu übersetzen, um leichter im Ausdruck zu sein. Wir haben uns folglich entschieden, eine direkte Übersetzung des Lateinischen in die korsische Sprache vorzuschlagen, um manche Fallen der „Übersetzung der Übersetzung " zu vermeiden, was uns erlaubt hat, den Rhythmus des Ursprungstextes zu bewahren. Es war eine spannende Übung, die Zeit und Recherche erforderte, und schließlich einen Text hervorbrachte, der nichts von seiner Farbe, seiner Kraft, seinem Relief verloren hat. Ich muß hinzufügen, daß wir von der Modernität der Worte Senecas überrascht waren, weil die aufgegriffenen Themen uns auch heute noch betreffen!

cecce

Ja, wirklich. Da das Format tatsächlich ziemlich ausgefallen ist, habe ich wirklich Eile, daß wir diese Chöre in ihrer Gesamtheit präsentieren. Für mich persönlich, wird es eine Premiere sein.
Ich bin ungeduldig und auch neugierig zu sehen, wie die Publikumsreaktionen sein werden.

Quelle: Corse matin

Zu lesen in Nr. 83 von Corsica (August 2006), ein Artikel von Elisabeth Milleliri "MEDEA made in Balagna“.

madein


Artikel aus der ersten Ausgabe der Balagnews:

balagnews

 


Spot A Filetta ALBUM MEDEA


AREA COM Myspace Video

LIBERATA


liberata

Die Musik des Films, der den Widerstand auf Korsika zum Thema hat, coproduziert und verbreitet von France 3.
Zwei Titel auf CD:

1 - Liberata (Klavier: Raoul Duflot-Verez), aufgenommen in Paris
2 - Liberata a cappella, aufgenommen in Carubbu, Lumio.


Sì di mè

si di mè
 
Im Folgenden wird ein Gespräch von Jean-Claude Acquaviva mit Pierre-René Worms (RFI Musique) aus Anlaß des Erscheinens von „Sì di mè“ wiedergegeben.

Schon seit 25 Jahren steckt das Ensemble A Filetta mit der Glut ihrer korsischen Polyphonien Menschen auf der ganzen Welt an. Mit ihrem neuen Album « Sì di mè », produziert von ihrem Freund Bruno Coulais, mit dem sie die Musik des Films Himalaja aufgenommen hatten, knüpfen sie wieder an eine Musik an, bei der die Instrumente ebenso wichtig sind wie die Stimmen. Eine Rückkehr zu den Quellen.
Was bedeutet Sì di mè ?

Jean-Claude Acquaviva: Die Übersetzung, die mir am besten erscheint, ist "Du bist das Meine, meine Familie".
Das ist die Bedeutung der Gastfreundschaft der Korsen. Wir haben hier eine Art, das Verhältnis zum anderen als eine Beziehung von Nähe, von Solidarität, von Anteilnahme zu verstehen.
Es ist nicht die Tatsache, daß man besondere Chromosomen hat, sondern wir sind eine kleine Gemeinschaft in Korsika. Man kennt sich. Das macht unsere Stärke und unsere Schwäche aus.
Wir gehören alle zu irgendeinem Stamm. Das ist oft belastend. Sì di mè meint sowohl diejenigen, die mit uns auf der CD singen, als auch diejenigen, die die CD hören, weil man immer das Gefühl hat, Brüder zu sein.

Wird durch das Praktizieren von Polyphonie eine soziale Bindung geschaffen?

Absolut. Das ist es vielleicht, was ihre Kraft erklärt und die Tatsache, daß sie einen neuen Grund gefunden hat zu existieren. Weil man wirklich erkennen muß, daß bis zum Zweiten Weltkrieg die Polyphonie ländlich war. Heute existiert diese Gesellschaft nicht mehr und dennoch findet diese Musik eine neue Existenzberechtigung und hat eine neue soziale Funktion gefunden. Die Paghjella (der polyphone Gesang schlechthin), die vor 50 Jahren der Gesang der Landarbeiter war, ist heute der von Gymnasien und von Familienfesten.

In diesem neuen Album begleitet Ihr die Lieder mit Musik. Das ist neu für Euch?"

Wir haben immer ein doppeltes Repertoire gehabt. Ein rein polyphones, und ein anderes, das man in einer etwas willkürlichen Art « die Lieder » nennt. In diesen letzten zehn Jahren, haben wir viel mit den Stimmen gearbeitet. Und heute veröffentlichen wir ein Album, bei dem die Instrumentierung eine Rolle spielt. Das nimmt nichts von unserer Arbeit weg, und wir gestalten den Rythmus bestimmter Polyphonien, der traditionsgemäß sehr frei ist. Es gibt einen internen Rhythmus, den des Textes. Hier stellen wir eine Polyphonie vor, die sich an die Rhythmik lehnt. 

Die Begegnung mit Bruno Coulais hat Eure Arbeit verändert?

Wir sagen oft,  wenn wir die Lieder von Bruno vorstellen, die wir interpretieren, daß er viel mehr geworden ist als ein Partner. Es ist ein großer Bruder, den wir gern bedienen, weil er sich gern unser bedient. Er hat Musik komponiert, die ihm ähnlich ist. Zu keiner Zeit hat er korsische Polyphonien machen wollen und gleichzeitig hat er die Persönlichkeit unserer Stimmen benutzt. Dies hat uns ermöglicht, neue Wege zu erforschen, besonders die, die zu einer neuen Rythmik tendieren. Wir haben im Allgemeinen mehr orientalische Rhythmen als die "wohltemperierte“ westliche Musik.

Hat die Tatsache, anläßlich der Originalmusik von « Comme un aimant » dank ihm Kontakt zu Akhenaton bekommen zu haben, Euren Weg verändert?"

Wir haben von Anfang an eine offensichtliche Verwandtschaft mit dem Rap gesehen. Weil das, was in der oralen Tradition wichtig ist, nicht die Musik ist, die man zu den Texten schreibt, sondern die Texte selber. Und der Rhythmus unserer Musik ist der des Textes. In diesem Sinne steht der Rap uns nah. Im Rap wendet man sich an jemanden. Und wir singen auf dieselbe Weise. Es gibt immer die Form des projizierten Tons, wo man den anderen als Zeugen nimmt, ihn einlädt zuzuhören. na;">Es ist auch eine Tatsache, dass der Rapper für die gleichen Werte eintritt wie wir, die Werte Solidarität, Gerechtigkeit und Freigiebigkeit. Man hat oft dieselbe Betrachtungsweise der Welt, der zufolge alles durch die wirtschaftliche und finanzielle Effizienz bestimmt wird.

Treue zu den Wurzeln, Öffnung zur Welt, ist das A Filetta?

Mehr als Treue zu den Wurzeln; es bedeutet Wurzeln zu haben. Sobald man sie hat, braucht man nicht zu beweisen, daß man ihnen treu ist. Es hindert uns nicht, offen für die Welt zu sein, unseren Gesang in seinem Konzept zurückzustellen. Unsere Tradition ist entstanden aus dem Gesang des Maghreb, den Liedern der Berber, den Polyphonien, die man in Albanien, in Sardinien, in Georgien wiederfindet. Für uns ist es wichtig, offen für die Welt zu bleiben. Weil, wenn man in einem gegebenen Moment, sagt: " Die Tradition ist da, sie hat diesen Umriß ", dann wird sie ein Museumsgegenstand. Die Tradition hat nur Sinn, wenn sie fortfährt, das Abbild einer Gemeinschaft zu sein, die sich weiterbewegt.

Interview mit Pierre-René Worms RFI Musik wiedergegeben auf
http://kallistea.com/musique/a-filetta.php

(Kursiv die Kommentare von Jean-Claude Acquaviva)

1 – Ne’n Tarra ne’n Celu
Jean-Claude Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva – Bruno Coulais

Der scheinbaren Leichtigkeit der Musik widerspricht der Text:
"Weder auf der Erde, noch im Himmel wohnt meine Zeit…
Weder auf der Erde, noch im Himmel vergeht mein Weinen…
Weder auf der Erde, noch im Himmel… armseliges Glück!
Ein Lied über den Sinn.

2 – Santa R’ghjina
Jean-Yves Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva – Bruno Coulais
Arrangeur : Bruno Coulais, 2002 

Dieses Stück, im Duett von Jean-Luc und Paul gesungen, erinnert an den Engpaß der Scala di Santa Reghjina, den jeder Reisende vor der Öffnung der Straße am Anfang des XX. Jahrhunderts benutzen mußte.
Der Dichter Jean-Yves Acquaviva bringt hier die Derbheit und die absolute Schönheit dieser letzten Pforte zum Ausdruck, die die Menschen fasziniert; er verneigt sich vor diesem Ewigkeitsstück, an dem viele Sterne respektvoll vorübergezogen sind.

3 – Reame Meiu

Jean-Claude Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva – Bruno Coulais
Arrangeur : Bruno Coulais, 1996

"Aus welchem obskuren Grund setzt der Mensch den Wahnsinn fort, Reichtum und Überfluß zu verwechseln? Mein Königreich, das bin ich, das ist mein Leben, und zweifellos ein wenig meine Fähigkeit zu akzeptieren, dass auch mein Anderssein mich formt.
Es ist sicherlich schwer, ein Gleichgewicht zu finden zwischen den anderen und mir selbst, aber ohne das Gleichgewicht, wie der auf La Réunion lebende Sänger Danyel Waro sagt, „wäre ich für nichts mehr verantwortlich, nicht einmal für mein Glück!"

4 - Affrescu
Marcellu Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva – Akhenaton - Bruno Coulais
Arrangeure : Akhenaton - Bruno Coulais, 1999

Komponiert 1999 zu einem Text von Marcellu Acquaviva für "Comme un aimant", wird dieser Titel hier in leicht unterschiedlicher Form präsentiert.
"Er widmet die Erinnerung und seine Gründerrolle dieser fortwährenden Belehrung, was der Mensch ist; eine Erinnerung in Form eines empfindlichen Labyrinths, um aus uns, wenn wir es wünschen, Wesen zu machen, die glücklich sind, weiterhin das zu sein, was sie sind, unter der Voraussetzung vollständig, grosszügig und ohne Komplexe zu sein!“

5 - Trà Noi
Marcellu Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva - Bruno Coulais, 2001

Eine Hommage von Marcellu Acquaviva an den korsischen Dichter Antò Francescu Filippini, gestorben im Exil in Rom, dessen Engagement für die Verteidigung der Italianität der korsischen Sprache ihm Leid und Zerrissenheit brachte, als der Krieg von 39-45 ausbrach.
Solo gesungen von José: eine Premiere!
Schöner Gegengesang von Jean-Luc.

6 - Dormi
Jean-Claude Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva – Bruno Coulais, 1996

Ein leicht rockiges Wiegenlied mit Paul als Leadstimme!

7 – Tblissi
Jean-Claude Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva - Bruno Coulais, 1997

Dieses Lied, gesungen von Guram Tamazashvili, ist eine Liebeshymne an die georgische Hauptstadt Tiflis.

8 - Sì
Jean-Claude Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva - Bruno Coulais, 1998

"Das ist ohne Zweifel das verrückteste Lied auf diesem Album, sowohl der Verlauf der Stimmen, als auch der Text. Ein Sonne und Wasser personifizierender Traumgesang, der an die Einsamkeit des Seemannes auf dem Meer seit der ersten Morgendämmerung erinnert. Und wenn dieses Lied ganz einfach das von Odysseus wäre? "

9 - Tempu
Ghjuvan-Ghjaseppu Franchi / Jean-Claude Acquaviva - Bruno Coulais, 2002

Ein herrliches Solo, gesungen von Jean Sicurani, über die vergehende Zeit. Arrangements, bei denen die vokale Schmucklosigkeit sich deutlich abhebt von einer Orchestrierung, die gleichzeitig sehr dicht, sehr reich und sehr bildhaft ist.

10 – L’Attesa
Marcellu Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva - Bruno Coulais, 2001
Komponiert für « Scènes de crime »

"Alle Ängste und Zweifel sind da, in diesen Worten.
Marcellu Acquaviva sagt uns kraftvoll, daß auch die Einsamkeit und das Warten sich auf den Traum und die Hoffnung stützen, oder einfacher noch, die Hoffnung des Traumes.“

Ein Stück von extremer Komplexität, das mit einer kristallinen Sequenz beginnt, komponiert von Bruno Coulais, dann kommen die Stimmen hinzu und verwirren sich. Mit großartigem Jean-Luc.

11 – A L’Altru Mondu
François Vincenti / Dominique Vincenti    
Arrangeure : Jérôme Ciosi - Bruno Coulais        

"Es ist viel Fingerspitzengefühl, Intelligenz und Sensibilität nötig, an den Tod eines Kindes zu erinnern, ohne im Pathos "zu versinken".
Das macht François Vincenti hier bewundernswert: ein Liebeslied des Himmels zur Erde; eine bewegende Poesie dank der Einfachheit und der Richtigkeit jedes Wortes.
"
Antoine Ciosi gibt diesem Gebet die Kraft der Aufrichtigkeit, durch schmerzhafte wie beruhigende Akzente in seiner Stimme.
Die zweite Strophe, gesungen von Jean-Claude, drückt ein unvergleichliches Gefühl aus.

12 - Memorie
Anton’ Francescu Filippini / Jean-Claude Acquaviva – Bruno Coulais, 2001 

Ein Gedicht in Form eines Testaments hinterlassen von dem Dichter AF Filippini:

« Von dem ganzen Leben bleibt mir
nicht mehr im Gedächtnis, als ein armseliges Bild;
von so vielen Liebschaften bleibt nur ein Name, oder zwei;
und von dem wilden Kind, das ich war,
bleibt als einzige Erinnerung eine Verletzung." 
  

Ein desillusionierter Blick auf die Zeit und ihre Flüchtigkeit gerichtet; eine von großer Demut  geprägte Sicht, die vielleicht allein das Alter verleihen kann!
Eine in Sprache und Ausdruck phänomenale Leistung von Jean-Claude, eine perfekte Plazierung der Stimmen, ein Text von seltener Schönheit: einer der Höhepunkte dieser CD, einer von vielen…

13 – Visioni Care
Anton’ Francescu Filippini / Jean-Claude Acquaviva – Bruno Coulais, 2002

Während seines Exils in Rom, in allen seinen Schriften, erinnert sich der Dichter A.F. Filippini unaufhörlich an seine Insel zurück, die ihm entrissen wurde. Die schreckliche Last seiner Abwesenheit hat herzzerreißende Verse entstehen lassen. Hier treten gleichzeitig die Leidenschaft, die Verehrung, die Bewunderung zu Tage, die er seiner Heimat entgegenbringt und der unbeschreibliche Schmerz, sie für immer unerreichbar zu wissen.

Meiner Meinung nach, das einzige verzweifelte Lied von A Filetta. Am Schluß (O core, inchjoda e to bulelle!), hat Jean-Claudes Stimme einen nie gehörten Beiklang. Herzzerreißend.

14 - A Dì Ti Di Tù
Jean-Claude Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva – Bruno Coulais, 1996       

„ Ein kleines Mädchen verliert seinen Vater unter tragischen Umständen. Seine Patin, selbst behindert, richtet an sie Worte voller Leben und Begeisterung. Dieses Lied ist die einfache Geschichte, dadurch Zuneigung und Liebe hervorgebracht zum haben."

15 – L’Aria
Orlando Forioso / Bruno Coulais, 2001

Marie Kobayashi, Mezzo-Sopranistin japanischer Abstammung, verbindet ihre Stimme mit denen von A Filetta bei dieser Arie von Bruno Coulais aus einer Oper für Kinder, deren Autor Orlando Forioso ist. Die Prinzessin Marian bittet hier die Gefährten von Robin, sie von dem bösen Sheriff zu befreien.       

16 - Chjarura
Marcellu Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva - Bruno Coulais, 2002      

„Dieses Lied konnte kein anderes sein als das Schlußlied, und sei es, weil es bis dorthin unverhoffte Horizonte enthüllt. Wobei es die Nichtigkeit der Dinge des Lebens erwähnt, und an die Worte der Prediger erinnert, die berühmten "Helden sind gegangen sind, den Wind zu jagen". Eine Ode an den Aufbruch, eine Ode an das Leben, in einem beruhigten Klima."

Die Stimmung verändert sich radikal nach Visioni care, das für mich ist den Gipfel dieser CD darstellt, die von Anfang bis Ende großartig ist.
Ich kann denjenigen, die A Filetta mit einem anderen Repertoire als der Polyphonie entdecken wollen, nur empfehlen, einige Konzerte zu besuchen, die von Sì di mè geplant sind, in Cannes am 1. Dezember 2006, in Rueil Malmaison am 15.
Mai 2007 oder in Lorient am 16. Mai 2007.

Ein Bericht vom Konzert in Evreux ist auf der Seite "Konzerte".


Intantu

Betitelt "Intantu" (Inzwischen), das erste Album von A Filetta für Virgin, veröffentlicht im Mai 2002, repräsentiert die Gruppe im jetzigen Moment ihrer Geschichte:

" Wir haben immer Schallplatten nach Themen gemacht: 1992 eine Platte kirchlicher Gesänge,  1995 eine mit Chansons, im Jahr 1997 eine den Liedern der Passion gewidmete Schallplatte.

Diese CD entspricht dem, was wir sind: eine Gruppe, gekommen aus aus der Tradition, die sich durch Begegnungen, die sie gemacht hat, entsprechend bereichert hat." 

intantu

Intantu präsentiert Auszüge aus Medea, entstanden im Jahr 1997, eine Paghjella, eine Monodie, ein georgisches Lied, Wiederaufnahmen und Neukompositionen; einige Musikstücke komponiert für die Gruppe von Bruno Coulais, und abschließend Sumiglia, wie bei jedem Konzert.

Die beste Schallplatte für jemanden, der einen Überblick über die Konzerte der Gruppe haben möchte.

 1 - U Casticu      
Auszug des III. Chores von Senecas "Medea".

Er erinnert an die furchtbare Bestrafung dieser kühnen Seefahrer, die dem Meer getrotzt hatten ("Und derjenige, der der Urheber des Ganzen war, der das Goldene Vlies so sehr begehrte, wurde in einem Kessel gekocht")

2 – Paghjella

Traditioneller vierstimmiger Gesang, an den Dichter Pampasgiolu erinnernd.

3 – L’Arditezza
Auszug aus dem II. Chor von "Medea".

Er erinnert an die Kühnheit der Argonauten, dieser anmaßenden Seemänner, die dachten, das "Anderswo"  abschaffen zu können.

4 - Makharia

Georgisches Lied, gesungen voller Zurückhaltung.

5 – Paghjella di l’Impiccati

Komponiert von Ghjuvan-Teramu Rocchi und Jean-Claude Acquaviva, berichtet diese Paghjella, die schon auf Una Tarra Ci Hè veröffentlicht wurde (es ist übrigens interessant, die beiden Versionen zu vergleichen) über die Repressionen, die über das Niolu nach der Niederlage von Ponte Novu kamen: die französischen Truppen begingen einen Massenmord. Das jüngste Opfer, Marcu Maria, war nicht einmal fünfzehn Jahre alt … 

6 – A Canzone di a Malata

Eine Rarität im Repertoire von A Filetta: eine aus dem Marsulinutal stammende  Monodie. Hier von Jean-Luc Geronimi gesungen, erinnert sie an dem Schmerz gegenüber dem Leid eines kranken jungen Mädchens.

7– Cose viste        

Satirischer Text von Anton Francescu Filippini, der einen spöttischen Blick auf die Entwicklung der Sitten wirft ("ich sah Mäntel über Hunde gelegt und junge Mädchen sich ausziehen") 

8 – U Sipolcru 

Bereits präsentiert auf Passione, erinnert dieses Passionslied an die Grablegung Christi.

9 – Trà i Debbii Maio’

A-cappella-Version einer Kompostion von Marcellu Acquaviva und Bruno Coulais für Don Juan von Jacques Weber

10 – E Loche

Ein weiterer Auszug aus Don Juan

11 – Kyrie

Kreation der Gruppe: ein kleines Juwel an Prägnanz, millimetergenau plaziert.

12 – L’Anniversariu di Minetta

Wunderschöne Neuaufnahme des Titels von Tavagna: " Für dein Andenken und sein kostbares Licht in meinem Herzen, will ich intensiv jeden mir zugestandenen Augenblick erleben und ihn für dich erleben ".
Eine Version voller Emotion.

13 – Sub Tuum

Neukompostion auf einen liturgischen Text

14 – Caracolu di Brame

Dritter Auszug aus Don Juan

15 – Sumiglia       

Symbolhaftes Stück der Gruppe, das jedes ihrer Konzerte seit gut 15 Jahren abschließt. Dieses 1988 entstandene Lied ist "eine Würdigung an denjenigen, der bis zu seinem letzten Atemzug sich mit diesem Land identifiziert hat, das uns gezeugt hat; es ist eine Hymne an die Selbstlosigkeit, an die Selbsthingabe."

PASSIONE

passione Diese CD, (sehr gut) aufgenommen 1997 in der Kathedrale Saint Jean-Baptiste in Calvi und im Konvent von Corbara, ist vollständig den Liedern der Passion gewidmet.

Jean-Luc Geronimi ist kürzlich zu der Gruppe hinzugekommen.
Dieser Neuzugang steht zweifellos dem neuen Klang der Gruppe nicht fremd gegenüber.

Man findet hier alle Sänger von Ab Eternu plus Pierre Bertoni sowie die Cellisten Paul-Antoine de Rocca-Serra und Anne-Lise Herrera, wie auch Jean-Michel Giannelli an der Orgel.
 

1 – U Sipolcru

Kreation von Jean-Claude, oft wiederholt im Konzert. Auf einen kontinuierlichen Baß entfaltet sich der Gesang von Jean-Claude. Intensive, dramatische Spannung für dieses erste Lied, das endet mit  einem Hauch von « è mi n’avvegu… »

2 – L’Orme Sanguine

Lied des Kreuzwegs von Ruglianu auf einen Text des 18. Jahrhunderts. Man wird feststellen, dass einige Passagen an Diu Vi Salvi Regina erinnern.

3 – U Lamentu di Maria

Neuaufnahme dieser großartigen Kompostion, die schon auf Una Tarra Ci Hè zu hören war.

4 – Dies Irae

Orgel und Cellos beginnen dieses Lied der Totenmesse nach einer Musik von JM Giannelli. Eine Rarität im Repertoire von A Filetta.

5 – U Lamentu di Ghjesù

Neuaufnahme dieser wunderbaren Kreation von großer Intensität. Man bemerkt nach der Versetzung der Tonart um eine Stimmlage den viel durchdringenderen Gesang des Solisten (Jean-Claude).

6 - Ghmerto

Dieses georgische Lied, eines der emblematischen Stücke von A Filetta, wird oft bei Konzerten gesungen. Eine spiralförmige Konstruktion, eine Mischung von Sanftheit und Stärke.

7 – A Sintenza

Komposition von Jean-Claude von großer dramatischer Intensität. Man muß ihn sehen beim Konzert, sein verzerrtes Gesicht drückt das ganze Leid desjenigen aus „der in Stille leidet“.
Jean-Luc als Terza.

8 – U Dubbitu

Kreation von Marcellu Acquaviva-Franceschini / Jean-Claude Acquaviva. Man findet das gleiche  musikalische Klima wieder wie bei Una Tarra Ci Hè.

9 – A l’Alivetu

Kreation von Jean-Claude. Ein langes Klagelied von intensiver dramatischer Spannung. Einer der Höhepunkte dieser Platte.

10 – Lamentazione di Jeremiae

Arrangement von A Filetta eines Klageliedes,  gesungen bei der Karmette (Tenebrae) in Calvi.

11 – Tecco

Arrangement von A Filetta

12 – Alleluia

Jean-Claude Acquaviva / Jean-Michel Giannelli
 

ravel
Eine Seltenheit ist von 1997 zu berichten:  die Beteiliging von A Filetta an einer Platte gewidmet einer neuartigen Orchestrierung traditionneller korsischer Lieder von Maurice Ravel, unter Beteiligung von Anna Rocchi, Gigi Casabianca, François-Philippe Barbalosi und Graziella Venturi.

Paul und Maxime jeder solo bei zwei Stücken

 Vielen Dank an Jean-Mathieu Canniccioni, der mich diese Platte entdecken ließ.

UNA TARRA CI HE (1994)


Das erste Meisterstück von A Filetta ist überwiegend eine Platte von Chansons, mit Instrumenten.
Sie präsentiert ebenfalls einige Polyphonien.

Man begegnet hier allen Sängern von Ab Eternu wieder, denen sich Pierre Bertoni angeschlossen hat.
una tarra

Meiner Meinung nach ihre erste vollständig gelungene Platte, die man gern mehrmals hört.

 1 – E’ Puru Simu Quì

Hymenenartige Ouvertüre. Sehr dynamisch.

2 – Una Tarra Ci Hè

Noch eine Kompostion von Jean-Claude mit schönen Gitarrenklängen.

3 – A Paghjella di l’Impiccati

Eine Paghjella, die ausführlich von einer Begebenheit der « Befriedung » des Niolu durch die französsichen Truppen nach der Niederlage von Ponte Novu berichtet. Eine starke Emotion wird in diesem Lied ausgedrückt. Zu vergleichen mit „L'Impiccati“ (mit Instrumenten“) auf O Vita...

4 – Trè

Ein mittelalterliches Klima herrscht in dieser Kompostion von Jean-Claude: « es waren drei: ein alter Mönch, ein Schatten und ein König ».

5 – Malanni

Ein modernes Klagelied auf einen Text von G. Fusina, das von dem Dasein eines Arbeistslosen berichtet.

6 – Sò l’Omu
Text von Marcellu Acquaviva, Musik von Jean-Claude.

7 – Fiure
Text von Marcellu Acquaviva, Musik von Jean-Claude.

Eine sanfte Ballade gesungen von Jean-Claude.

8 – A Muntagnera
Text von Marcellu Acquaviva, Musik von Jean-Claude.

Das Leben der Hirten mit Begebenheiten während des Almauftriebs von Falasorma in das Niolu. Über den Pass von Caprunale, der bei Wanderern gut bekannt ist (wo, wie man sagt, Ende des 19. Jahrhunderts man mit der Kutsche hingelangen könne), der Brunnen von Tassu, die Rast in Mirindatoghja…

9 – A l’Acula di Cintu
Eine andere Erinnerung des Niolu durch diese Kreation von Jean-Claude.

10 – U Lamentu di Maria
Eine der schönsten polyphonen Kreationen dieser Epoche.

11 – Da Grande
Sehr schönes Lied, das die kindliche Vorstellungswelt zum Thema hat.

12 – L’Ombra Murtulaghju
Marcellu Acquaviva / Jean-Claude Acquaviva

“Gewaltig bläht der Herbstwind sich auf... Durch die Felder ist ein Schatten gezogen“

13 – Eo Sai

Ballade voller Zärtlichkeit, komponiert von Jean-Claude Acquaviva          
 

AB ETERNU


Aufgenommen im Januar 1992 im Oratorium Saint-Antoine in Calvi, ist Ab Eternu fast vollständig den liturgischen Gesängen gewidmet (Totenmesse, Karwoche), mit Ausnahme von Sumiglia, das  zur Erinnerung an Ghjuvan Battista Acquaviva komponiert wurde.

Beteiligt an dieser Platte sind Jean-Claude, Jean, Paul, José und Maxime, sowie Jean Antonelli, François Croce und Jean-Marc Pellegri, alle wechselweise als siconda und bassu.

Die Klangfarbe dieser Platte ist doch sehr unterschiedlich zu der von heute, mit deutlicher Verschiebung in Richtung des Schweren. Außerdem sind die Stimmen mehr untereinander verschmolzen, schwieriger zu identifizieren.

abeternu
 1 - Miserere

Liturgisches Lied von Corbara, sehr klassisch gesungen, in einem langsamenTempo.

2 – Tantum Ergo

Sehr schöne Kreation komponiert von Jean-Claude. Auch dort ein langsamer Rythmus, mit diesen « luftigen » Passagen, die eine große Besonderheit des Gesangs von A Filetta sind.

3 – Agnus Dei

Auszug aus der Messe von Olmi-Cappella. Mit großen Tiefen.

4 – U Versu di Paulellu

Sehr kurze Kreation von Jean-Claude nach einem traditionnellen Text.

5 – Requiem

Kreation von Jean-Claude nach einem traditionnellen Text.

6 – Tecco

Ein Lied der Karwoche von Calvi, gesungen von den Bruderschaften während der Karfreitagsprozessionen, dominiert von der schönen Stimme Jeans.

7 – E Lode di u Sepolcru

Lied der Karwoche von Tagliu Isulacciu, schon gesungen von E Voce di U Cumune sowie von I Muvrini und Tavagna. Manchmal von A Filetta bei Konzerten gesungen, besonders während des Ballets In Memoriam. Es ist an jedem, die Versionen zu vergleichen!

8 – Sanctus

Kreation von Jean-Claude nach einem traditionnellen Text.

9 – U Lamentu di Ghjesu

Kreation von GD Marcotorchino, Toni Casalonga, Nando Acquaviva und Roccu Mambrini, entstanden 1982 bei der Passion von Calenzana und schon bei A u Visu di tanti aufgenommen. Eines der am meisten bewegenden Stücke im Repertoire A Filettas, das man auch auf Passione wiederfindet. Die gegenwärtige Version ist andächtiger, weniger dramatisch und langsamer als die von Passione.

10 – Te Deum

Liturgisches Lied aus Calvi

11 – Presso il Legno

Lied der Karwoche in Calvi.

12 – Agnus Dei di i Defunti

Kreation von Jean-Claude nach einem liturgischen Text der Totenmesse.

13 – Libera Me

Auszug der Totenmesse der Balagne dominiert von schweren Stimmen.

14 – Stabat Mater

Großartiges liturgisches Lied, gesungen in Calenzana während der Karwoche.

15 – Paghjella d’Ascu

Traditionelle Paghjella gemäß des versu d’Asco.

16 – Sumiglia

Emblematisches Stück der Gruppe, das seit gut 15 Jahren jedes ihre Konzerte abschließt, komponiert 1988 zur Erinnerung an Ghjuvan Battista Acquaviva. « Eine Hommage an denjenigen, der sich bis zu seinem letzten Atemzug mit diesem Land identifiziert hat, das uns hervorgebracht hat; es ist eine Hymne an die Selbstlosigkeit, an die Selbsthingabe. »

 
Abschließend: eine sehr schöne Platte, vielleicht ein bißchen monoton, mit einigen Goldstücken wie Lamentu di Ghjesù und Sumiglia. Sie drückt schon die immensen Schreibqualitäten von Jean-Claude aus, besonders bei Agnus Dei di i Defunti und Tantum Ergo. Das Beste wird indessen noch kommen… 

A U VISU DI TANTI
(1989)

visu



1 – Salutaris Hostia

Traditionnell aus U Mucale, nahe Calenzana.

2 – Violetta

A Filetta gibt hier ihre Interpretation dieses « Klassikers » der Polyphonie, gesungen besonders von Voce di Corsica und den Chœurs de Sartène.

3 – U Ballu di Larenzu

Kreation von Jean Antonelli

4 – Requiem

Traditionnell von Rusiu.

5 – Kyrie

Traditionnel aus Ascu.

6 – Anima

Kreation von Marcel und Jean-Claude Acquaviva.

7 – U Lamentu di Ghjesù

Kreation von GD Marcotorchino, Toni Casalonga, Nando Acquaviva und Roccu Mambrini, entstanden 1982 anläßlich der Passion von Calenzana. Eines der bewegendsten Stücke im Repertoire von A Filetta, das man auch auf Ab Eternu und Passione wiederfindet.

8 – A Muresca

Traditionnell

9 – A’ u Vechju Pueta

Traditionnell

10 – Paghjella

Traditionnell.

11 – Pueta

Kreation von Jean-Claude nach einem Text von Rinatu Coti.

12 – Suda Sangue

Traditionnell aus Calvi.

13 – A’ Vende Hè

Komposition von Jean-Claude.

14 – Dio Vi Salvi Regina

Die Version A Filettas der korsischen Hymne.

  

IN L'ABBRIU DI E STAGIONI
(1987)

abbriu (*)

 

1. Pueta

2. Di l'aghje

Jenseits dieser verstreuten Flächen von den Ebenen bis zu den Bergen, jenseits dieser Räume, wo einst das Herz einer ländlichen Gesellschaft schlug, findet man das Anzeichen eines neuen Willens, eines neuen Tages, wo ein gewisser Gemeinschaftssinn in uns erwachen wird.  

3. Ma di cio che tu voli

Heute sind die Momente des Nachdenkens und des Maßhaltens rar; und dennoch erlauben sie, das tatsächliche Gewicht der einfachen Dinge des Lebens wahrzunehmen, zu erinnern an den unschätzbaren Preis der menschlichen Werte von Vergebung und Frieden ... Der Text möchte die Hoffnung lichten.

4. U mulatteru

5. La violetta

6. Mare eternu

Das Meer, durch die Weite seiner Ausdehnung, durch das Geheimnis seiner Abgründe, war und ist für die Menschen eine Quelle der Faszination. Diese wenigen Zeilen sind ihm gewidmet, ihm und all denen, Seeleuten und anderen Kindern der Realität oder der Legende, die durch seinen Aufruhr ums Leben kamen.

7. Anima

8. Oggi

Einige baufällige, von der Zeit bearbeitete Häuser, einige durch den Wind gebogene Bäume ... Das ist alles, was von einem Dorf geblieben ist, eingeschlafen in der Dunkelheit der Geschichte. In dieser Finsternis, wo dennoch das Säuseln einer verirrten Seele in jeder Dämmerung an unsere Gegenwart anstößt und gegen das Vergessen kämpft. 

9. Sintenza par té

Muss man noch lange Männer sich dem Tod überlassen sehen, damit man versteht, daß ihre Taten nur die Auswirkungen der tieferen Ursachen sind, die genannt werden Ungerechtigkeit oder Unverständnis?

10. Pé 'ssu dumane

Den Traum einer Nation fortzusetzen, ist das nicht das Recht und möglicherweise die Pflicht eines jeden Menschen, der Würde besitzt?

SONNII ZITILLINI
(1988 ?)


sonnii

A canzona di a vita chi va

Cum'e tutti i zitelli

L'imbasciadori

Maestru parlami in corsu

O ghitarra meia

Passanu i mesi

Sonnii zitillini

Sta notte he natale

U ventu

Un acillucciu

Voca vuchina

  

CUN TÈ
(1984)

 cuntè (*)

1. Cun tè

Große Dichter, wie Aragon, haben die Frauen verherrlicht. In unserer viel einfacherern Weise  wollen wir hier versuchen, alle Frauen zu ehren, die für die Freiheit kämpfen und im weiteren Sinne alle die, Unterdrückung und Tod ausgesetzt, weiterhin die Kraft des Lebens symbolisieren.

2. U mare è u fiume

Ganz wie der Bach dieser Fabel sich ins Meer stürzt, so leistet unser Volk, in gleicher Hinsicht wie eine Vielzahl anderer Völker, seit dem Anbeginn der Zeit, seinen ursprünglichen Beitrag an das Universelle. 

3. U ventu scemu è a vechja serena

Ein Dezemberabend in Bastia. Es ist sehr kalt. Der Wind, unser Libecciu, verschlimmert die Temperatur.
In einer Straße der Altstadt, kehrt eine arme kleine alte Frau, die ausgegangen war, um einige Besorgungen zu machen, nach Hause zurück. Der Wind weht stürmisch. Gebückt kommt sie mühsam voran… und das Unglück passiert. Sie wird zu Boden geworfen, ihre Vorräte verstreut, ihre schöne Frisur aufgelöst. Sie ist am Kopf verletzt. Der Dichter greift sofort ein. Er hilft der alten Frau auf und führt sie nach Hause. Er bleibt lange Zeit bei ihr. Während dieser Zeit bläst der entfesselte Wind immer stärker. Er scheint auf sein Opfer zu warten… Die alte Frau, nachdem sie sich wieder gefasst hat, misstraut ihrem Feind und bekreuzigt sich ununterbrochen!

4. Versu di u vignaghjolu

5. I mufrini

Vor zehn Jahren sangen die Kinder eines kleinen Bergdorfes, Oretu di Casinca, ihren Glauben quer durch Korsika. Wir sind von diesem Land, wir wollen hier wachsen, hier lernen und hier leben. Ihr Wink, erweitert auf alle Kinder der Welt, bleibt mehr denn je aktuell.

6. I pescadori è u mare

Fernab des idyllischen Klischees eines Küsten-Korsikas, einzig gewidmet allem Touristischen und schmalzigen Liedern, existiert ein anderes Korsika, unverfälschter, weniger paradiesisch, das ist wahr: es ist das des ganzen Volkes, es ist das der Fischer, die dazu verurteilt sind, in einer zunehmend unpersönlichen Gesellschaft zu überleben. Dieses Lied, inspiriert durch einen Text von Pablo Neruda zu diesem Thema, ist für uns auch ein Zeugnis für die Öffnung zum Mittelmeerraum.

7. Criaturella

Dieses Lied ist bestimmt für unsere Kinder, die eine Welt der Würde und der Liebe zu diesem, ihrem Land bauen werden, wenn wir es verstehen, ihnen den Wunsch zu vermitteln.

8. Cumpagnu

Ein Lied gewidmet Jean Antonelli, einige Zeit im Gefängnis.
"Der inhaftierte Begleiter bezeugt die Fortdauer der Suche nach Identität und Hoffnung."

9. Aghju coltu

Ist es vergebens, die Blumen einer Zukunft voller Glauben und Hoffnung zu pflücken in den Umschwüngen der Geschichte, auch wenn man manchmal unverstanden bleibt?

10. Vogliu

 

O VITA
(1982)

 ovita(*)

1. L'impiccati

Völker haben ein Gedächtnis. Das Volk Korsikas wie die anderen. Im Jahre 1774, trug sich im Niolu eine Tragödie zu. Die Truppen des Königs von Frankreich verhafteten und folterten Patrioten, unter ihnen ein Jugendlicher von 15 Jahren. Dieser schmerzhafte Moment unserer Geschichte lässt hier niemanden gleichgültig, obwohl zwei Jahrhunderte vergangen sind.

2. Paghjella

Diese "Paghjella", die in den Tälern der Castagniccia unter italienische Besatzung gesungen wurde, zeigt uns den Widerstandsgeist unseres Volkes, zu einer Zeit, als der Faschismus siegte.

3. Vai puru

Der Mensch, in den Fängen von Zweifel und Entmutigung, vergisst, dass der Weg, der zu etwas mehr Glück führt, oft näher und einfacher ist, als es scheint.

4. A megliu sta

Die wichtige Dinge genießen, die das Leben uns jeden Tag bringt, und dabei voll und ganz man selbst bleiben. Das ist das Thema dieses Liedes, zusätzlicher Beweis für die Notwendigkeit des Einzelnen "zu sein", um sich zu entfalten und zu leben.

5. O terra

Diese Hymne auf unser Land der hohen schneegekrönten Berge, trägt in sich die ganze Liebe eines Volkes, das sich einer programmierten Agonie verweigert und aus der Geschichte die Kraft zur Gestaltung seiner Zukunft schöpft.

6. L'orida bestia

"L’orrida bestia", das ist der Faschismus und sein Gefolge aus Entbehrungen und Blut ... der Faschismus, der leider heute wie gestern, über Meere und Grenzen hinaus, die Schande des universellen Bewusstseins bleibt.

7. Ti chjami

Durch die Poesie sind die Menschen, die Völker und die Nationen immer in der Lage gewesen, selbt in den schwärzesten Momenten ihrer Existenz, Gründe zu finden, auf einen besseren nächsten Tag zu hoffen.

8. Mandulina

9. U negru fiume

Das Bewusstwerden ist nur in den Büchern leuchtend. In der Realität ist es ein schwieriger, zögernder Weg. Die Fakten der Résistance, von der Geschichte überliefert, ähneln selten dem, was sie im Alltag waren. Sind sie weniger bewundernswert, wenn sie in Mannshöhe bleiben?

10. O.Dume 'o Muame'

>Weil wir mit Nachdruck die Gewissheit haben, eines Tages alle Arbeiter vereint im Kampf für die Anerkennung ihrer Rechte zu sehen…

11. O vita, o vita

Nach dem Überleben einer Katastrophe, eines schlechten Jahres oder eines natürlichen Todes, erlangt das Leben immer seine Rechte mit Macht zurück. Dieses Lied, Ausdruck der Erneuerung Korsikas und seines Volkes, ist eine wahre Hymne an das Leben. 


MACHJA N'AVEMU UN' ANTRA
(1981)

machja
(*)

1. Terra brusgiata

Jeden Sommer fallen auf Korsika Tausende von Hektar dem Feuer zum Opfer. Dieses Lied ist der Schrei dieser Erde Korsikas, die nachdem sie soviel gegeben hat, sich weigert zu sterben.

2. Machje
Dieses Gedicht ist ein Sinnbild. Während nämlich unsere Macchia jedes Jahr etwas mehr brennt, haben wir trotz allem etwas anderes, das sehr viel schwieriger zu verbrennen ist: Das ist unsere Kultur, unser Wunsch, korsisch zu sein, was uns eines Tages erlauben wird, unsere Würde wiederzufinden. 

3. Induvinella
Dieser Chanson lässt uns die Abenteuer eines kleinen korsischen Kindes erleben, das, zurückgekehrt in in sein Dorf, Tag für Tag einen Schatz entdeckt, der ihm verborgen geblieben war: die korsische Sprache.

4. Vogliu esse
Dieses Lied ist zugleich Hoffnungsschrei und Behauptung eines ganzen Volkes, das die Entfremdung ablehnt, in der es sich befindet, und die Freiheit wiedererlangen möchte, die seinen Vorfahren so teuer war. 

5. A u vechju pueta
Die Polyphonie ist der Träger der gesungenen Tradition Korsikas. Diese, nach einer traditionellen Melodie, ist eine Hommage an die Poeten, Inhaber eines unschätzbaren Reichtums und Interpreten des traditionellen Korsika.

6. A'a riscossa
Die Repression hat viele korsische Patrioten hinter Gitter gebracht. Dieses Lied ist ein Appell an die Volks-Solidarität, einziger Garant des Sieges von morgen. 

7. U pagliaghju d'Ostriconi
Gestern wie heute, beschäftigt sich der Gesang mit den Ereignissen. Nahe dem Strand von Ostriconi, eine wundervolle Gegend am Rand des Meeres, nimmt die internationale Finanzwelt, durch Enteignung von Land für den Bau eines Touristenkomplexes, einem korsischen Schäfer die Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen: man vertreibt ihn, seine Hütte wird zerstört ... Aber die jungen Freunde des Hirten kommen an den Ort zurück und bauen die Hütte wieder auf. 

8. Euskadi
Dieses Lied ist eine Öffnung auf die heutige Welt. Auch anderswo als auf Korsika, in Irland, in Südamerika ... werden andere Völker unterdrückt und leiden darunter, ihre Identität und ihre Freiheit zu verlieren; dieses Lied ist dem baskischen Volk gewidmet.

9. Ste mane qui
Überall auf der Welt werden Millionen von Männern und Frauen ausgebeutet. Für alle diese Arbeiter, in der Hoffnung, daß sie eines Tages ihre Freiheit und Würde zurückerlangen werden, haben wir dieses Lied gemacht.

10. L'acillucciu
Das Kind, oft sensibler für die Dinge der Natur, läßt sich vom Gesang eines Vogels wiegen. Und dieses Lied transportiert ihn in eine andere Welt, wo die Bosheit und der Profit nicht vorhanden sind. 

11. Farandula
Dieses traditionelle Lied lädt uns ein zu tanzen zum Klang der Geigen, Gitarren und Banjo. Es ist Ausdruck der Volksfeste, die man auf Korsika antreffen konnte, je nachdem Jahrmärkte, Dorffeste. Es ist für uns auch ein Ruf der Freude und der Hoffnung, dass das Korsika von morgen den "Sinn für Feste" wiederfindet, der leider im Begriff ist, verloren zu gehen.

(*) Ein großes Dankeschön an Gerda-Marie Kühn für diese Plattenhüllen und für die Texte!
 

VIDEOS


Zwei Videos über A Filetta :A Filetta en concert (VHS Olivi)
(Ottawa 1995)

VHS

Exzellentes Filmdokument eines Konzertes, aufgenommen während der Tournee zu "Una tarra ci hè" 1995, leider nicht mehr verfügbar.

A Filetta – Voix corses (Stimmen Korsikas)

film  

Dokumentation von Don Kent, die Gruppe im Gespräch mit Franck Tenaille. 
Einfach unentbehrlich.


Trent'anni pocu, trent'anni assai


trentanni

Die DVD-Box enthält:

- eine Dokumentation, 78 Minuten, realisiert von Cathy Rocchi (mit französischen Untertiteln), die den Weg A Filettas anhand von Aussagen der aktuellen Mitglieder der Gruppe schildert. Diese Dokumentation war ursprünglich bestimmt für des Magazin "Ghjenti" (France 3 Corse Via Stella).

- ein "Privatkonzert" im Oratorium St Antoine in Calvi : 25 Titel, 80 Minuten !

1 – Nana
Paghjella
Kyrie
4 – U cantu di l'acqua
5 – 1901
6 – Miserere
7 – Dies irae
8 – Alilo
9 – Benedictus
10 – U Lamentu di Maria
11 – E Baioncule
12 – Le lac
13 – Norbu
14 – Gloria
15 – La folie du cardinal
16 – A l'alivetu
17 – Ghmerto
18 – Meditate
19 – Rex tremendae
20 – Figliolu d'ella
21 – Sumiglia
22 – Lode à una simpatica zitella
23 – U sipolcru
24 – Pater noster
25 – A paghjella di l'impiccati

Man muss die außergewöhnliche Qualität dieser Dokumentation loben, vor allem die technische Qualität, mit einer selten erreichten Bild- und Tonqualität der Aufnahme. Jede Stimme hebt sich ab, wobei sie integrierter Teil des Ensembles bleibt. Eine „analytische“, aber gleichzeitig sehr natürliche Tonaufnahme ohne Kunstgriffe (mit Kopfhörer hört man selbst die Geräusche des Hafens im Hintergrund!)

Und natürlich die fabelhafte Interpretation der Gruppe. Ich will nicht die Stücke einzeln aufführen: alle diese Interpretationen sind anthologische Versionen. Wenn ich unbedingt etwas hervorheben sollte, so diese beiden: "1901" und "Alilo". Zwei Referenzen an Georgien, eine sehr sanft, die andere kraftvoll, wunderbar. Und alle sind in exzellenter Gesangsform, besonders Paul und Jean-Luc. Man hat Freude daran, die Bassstimmen zu identifizieren und zu differenzieren, man genießt die Qualität der Ausführung, die Auswahl der Stücke (falls man ein Bedauern äußern sollte, so wäre es das Fehlen von U Lamentu di Ghjesù, aber wir sind sehr anspruchsvoll!)

- ein Bonus-Video: 8 Titel von der Gruppe zwanglos "zu Hause" gesungen, mit Jean-Claude an der Gitarre.

1 – A muntagnera
2 –Cun tè
3 – Terra brusgiata
4– Mare eternu
5– Ste mane quì
6– Ma dì ciò chè tù voli
7 – Fiure
8 – A Sergiu

- eine Bonus-Audio-Aufnahme mit 8 Titeln « Pè a scusa » liefert einige alte Lieder der Gruppe, die von heute vergriffenen Alben stammen, sowie einige unveröffentlichte.

1 – Liberata
2 – Fiure
3 – A Sergiu
4 – Tango dell'assenza (mit Daniele di Bonaventura)
5 – Ma dì ciò chè tù voli
6 – Cun tè
7 – Mare eternu
8 – Lisboa (mit Jorge Fernando)

Es macht Spaß, diese alten Lieder wiederzuhören, Liberata nur auf dem Klavier begleitet und von Jean-Claude gesungen, das wunderschöne "A Sergiu" mit Jean-Luc, Jean-Claude als Tangosänger zu entdecken (der sehr melancholische "Tango dell'assenza") und unsere korsischen Freunde als Sänger des Fado mit Jorge Fernando bei Lisboa noite triste !

Kurz gesagt, das wird klar geworden sein, eine UNVERZICHTBARE DVD-Box.>
 
 

Vielen Dank an Ursula Glöckner für die Übersetzung der ganze Seite.

 


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